Nach einem Stopp bei Mercadona und einer günstigen Tankstelle (1,269 Euro/Liter Diesel), beides in Cartaya) nahmen wir Kurs auf Mina de Sao Domingos in Portugal. Die Sonne schien, der Himmel leuchtete strahlendblau. Doch wir wussten, dass dieses schöne Wetter nicht von Dauer sein wird.

Der Fluss Guadiana bildet die Grenze zwischen Spanien und Portugal und fließt im Süden in den Atlantik. Wir rollten über eine Brücke und schon waren wir in Portugal, genauer gesagt in Pomarao.

Zur rechten sahen wir, wie Wasser aus dem Stausee Embalse del Chanza abgelassen wird und somit zusätzlich den Fluss Guadiana mit Wasser füllt. Die Uferstraße in Pomarao war gesperrt. Normalerweise dürfen dort Camper offiziell mit Blick auf den Fluss stehen. Aus Sicherheitsgründen ist dies derzeit nicht möglich. Dafür standen ein paar Womos neben der Durchgangsstraße auf dem höhergelegenen Parkplatz und vor der Kapelle. Schön ist anders.

Wir stoppten nur für einen Blick auf den Fluss. Das, was ich als eine kleine vorgelagerte Insel hielt, ist eigentlich keine. Die Fläche, auf der sonst die Camper stehen, steht komplett unter Wasser.

Wir nahmen Kurs auf den Ort Mina de Sao Domingos, der sich ca. 20 Kilometer weiter nördlich befindet. Früher führte eine Eisenbahnlinie von den Minen in Mina de Sao Domingos nach Pomarao. Dort wurde das Kupfererz von der Schiene auf’s Wasser verladen. Die Schienen wurden inzwischen komplett zurückgebaut.

Letztes Jahr im Frühjahr waren Guido und Claudia mit ihrem IVECO MAGIRUS dort gewesen und kurz vor Weihnachten Thom und Coco (Krümel 4×4). Diesen schönen Lost Place konnten wir uns also nicht entgehen lassen.

Allmo durfte mit Blick auf die ehemaligen Lokschuppen einparken und wir machten uns zu Fuß auf den Weg zu den ersten Gebäuderesten. Ein hoher Kamin zog uns in den Bann, doch recht bald frischte der Wind auf, dunkle Wolken näherten sich und von jetzt auf gleich schüttete es. Wir flüchteten zurück zu Allmo, pitschnass kamen wir an.



Nach dem heftigen Schauer strahlte der Himmel, als wenn nichts gewesen wäre. Der nächste Versuch die Gegend weiter zu erkunden, endete nach wenigen Sekunden. Und schon wieder regnete es. Und natürlich folgte wieder Sonnenschein. Im dritten Anlauf blieb es etwas länger trocken, so dass wir unsere Runde an der Stelle vervollständigen konnten.

Ein 15 Kilometer langer Wanderweg „Rota do Minerio“ führt zu wichtigen Stationen der Gewinnung von Erz und wird daher auch Erz-Route genannt. Für uns heute keine Option.

Bereits zu den Zeiten der Römer wurde in Mina de Sao Domingos Kupfer, Zink und andere Metalle abgebaut. Die Gegend gehört zum Iberischen Pyrit-Gürtel, der sich von Grandola, Portugal bis nach Andalusien, Spanien erstreckt. Es gehört zu den weltweit wichtigsten Bergbau-Gebieten, mit einem der größten Vorkommen an vulkanischem Sulphur. Die Metalle bildeten sich vor über 330 Millionen Jahren.

Ursprünglich wurde unter Tage abgebaut. Der erste Tunnel entstand 1859, der zweite im Jahr 1861. Der Zugang zum Tunnel ist sichtbar, aber versperrt. Bis Mitte der 1960er Jahre wurde das Erz von Menschenhand gewonnen und mit Unterstützung von Maultieren an die Erdoberfläche transportiert. 1966 wurden die Tätigkeiten eingestellt.


Über Schienen wurden die Erze nach Pomarao zum Hafen gebracht. Auch wenn die Gleise verschwunden sind, erkannten wir an einigen Stellen noch die Holzschwellen.


Zwei Bretterwege führten rechts und links ein Stück an dem See, der durch den Tagebau entstanden ist, vorbei. Der See schimmerte rötlich und baden ist dort wohl eher nicht zu empfehlen. Das Wasser im See ist toxisch (säurehaltig), Schilder weisen darauf hin.

Natürlich begann es zunächst leicht zu tröpfeln und dann setzte ein kräftiger Schauer ein. Wiedermal schafften wir es nicht trocken zurück zu Allmo zu gelangen. Ihr könnt es euch denken, dass danach auch wieder die Sonne schien.



Wir kamen kurz mit einem Camper-Ehepaar ins Gespräch, die auch jeder Regenschauer mitgenommen hatten.

Anschließend fuhren wir ein wenig weiter in das ehemalige Gelände hinein. Eine Piste mit ein paar mit Wasser gefüllten Schlaglöchern brachte uns zu weiteren Gebäudekomplexen bzw. dem was davon übrig war. Ein paar Gebäude befanden sich auf der anderen Seite der ehemaligen Bahnschienen. Die Brücke, die es mal gab, lag zerstört zwischen den Pfeilern.



Die ehemaligen Hochöfen zerfallen. Einzelne Betonplatten sind schon herausgebrochen. Das Klinkerwerk sieht mehr als fragil aus. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis zumindest der erste Turm komplett in sich zusammenfällt. Eigentlich ist das Gelände an den beiden Türmen umzäunt. Doch an mehreren Stellen ist dieser mehr als marode bzw. auf 3 Metern Breite komplett zur Seite gebogen.



Auch das zweite Hochofengelände ist in einem nicht viel besseren Zustand. Ein kleines „Schwimmbecken“ und ein rötlich schimmernder See befinden sich dort. Guido hatte dort an den Hochöfen übernachtet. Doch der Wind war einfach zu stark.



Wir fuhren wieder zurück zum Ausgangspunkt, stellten uns vor das Gebäude der ehemaligen Verladestelle. Dieses bot uns jedoch keinen Schutz, weil der Wind von der anderen Seite wehte. Immerhin war es schön sonnig.



Doch der Wind nervte zu sehr, so dass wir tatsächlich noch weiterfuhren.

Zu Mina de Sao Domingos bleibt abschließend zu sagen, dass es ein Lost Place ganz nach unserem Geschmack ist. Im Sommer bzw. bei warmen Temperaturen lässt es sich an dem großen See am Ortsrand auch bestimmt sehr gut aushalten. Der Womo-Stellplatz liegt quasi um die Ecke und die Gebühr fürs Übernachten ist überschaubar. Für uns war der Platz heute allerdings keine Alternative.

Tbc

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