
Erst letzte Woche Samstag (also mit einer Woche Vorlauf) hatte ich mich für den Mammutmarsch Madrid – Marcha del Mamut angemeldet. Für Frank ist das nichts. Über die 30 Kilometer Distanz (die kürzeste angebotene Strecke) würde er auf drei Tage verteilt laufen.
Eigentlich hatte ich mich am Freitag, nach den fast 15 Kilometern, gegen den Lauf in Madrid entschieden. Doch am Samstag war ich mit ziehen unserer „Glückskeks“-Sprüche dran. Und wie das Schicksal es so wollte, stand auf dem Zettel „Mach es, bevor du bereust, es nicht getan zu haben.“ War das ein Zeichen? Heike und Karsten, denen wir die Sprüche für jeden Tag unserer Reise zu verdanken haben, werteten es so. Heike hat gut Reden, ist sie selbst schon mehrere Mammutmärsche gelaufen.
Meine Aufnahme in die Mammutherde sollte erst bei dem Mammutmarsch Ende April im Ruhrgebiet erfolgen. Bis dahin hätte ich auch noch etwas Zeit zum Trainieren gehabt. Und somit machte ich mir den halben Samstag Gedanken, ob ich laufen soll oder nicht und buchte schließlich mein Ticket für die 30 km-Strecke und reservierte uns für zwei Nächte einen Stellplatz auf dem Parking Camper Madrid Oeste.
Bei FB wurde ich Mitglied in der Mammutmarsch Madrid Gruppe und fand schnell eine Laufpartnerin, die zur gleichen Uhrzeit wie ich starten wollte. Ihr Vorteil: Sie übernachtet unweit des Starts/Ziels. Ich muss ungefähr eine Stunde mit der Metro anreisen.
Und nun war es also soweit.
Es war noch dunkel, als ich mich fertig machte. Gemeldet waren vier Grad, gefühlte 1 Grad. Tagsüber sollen es um die 16 Grad werden. Sonnig. Kein Wind. Das Zwiebelprinzip musste angewendet werden. Letztlich entschied ich mich für das neue Funktions-T-Shirt, zwei Langarmshirts und die alte nicht gefütterte Softshell-Jacke.
Den Rucksack hatte ich abends bereits gepackt. Sicherheitshalber nahm ich meine Treckingsandalen als Back-up mit. Bei meinem ersten fast 15 km-Lauf in Camposoto vor ungefähr einem Monat hatte ich mir unter dem linken dicken Zeh eine Blase gelaufen. Wichtig war die Powerbank, falls der Handyakku nicht reicht. Außerdem Ibus, ein paar Pflaster, Ersatzsocken und natürlich etwas zu trinken. Auch den Rest von meinem Brot nahm ich in einer Kunststoffdose mit.
Gegen 7:10 Uhr machte ich mich auf den Weg. Frohen Mutes und Glücksschwein Rosi im Gepäck. Mit der Bedienung des Ticket-Automaten kannte ich mich aus und ich stand keine Minute am Gleis, als der Zug schon eintraf. Eigentlich wollte ich erst eine Metro später nehmen, doch die davor hatte etwas Verspätung. Auch beim Umsteigen in Puerta del Sur wartete ich nicht lange und somit war ich viel früher als gedacht an der Metrostation Lago, an der sich Start und Ziel vom Mammutmarsch befinden.
Mit Yvonne, meiner Mitläuferin, war ich erst für 8:30 Uhr verabredet. Ich schrieb ihr, dass ich schonmal zum Check-in gehen würde und dann zur verabredeten Zeit wieder an der Metro stehe.
Am Check-in gab es keine Schlagen und sekundenspäter hielt ich mein rotes Bändchen, woran zu erkennen ist, dass ich die 30 km Laufe und ein orangenes Bändchen mit der Nummer 11 (meine Startgruppe) in den Händen.
Der Merchandise-Stand hatte nichts Vernünftiges zu bieten und T-Shirts kann man erst nach 10 Uhr erwerben, wenn noch welche übrig sind, nachdem alle Läufer gestartet sind.
Ich ließ mich noch mit dem Symbol des Mammutmarsch fotografieren, einem aufgeblasenen Mammut, dass zu dieser frühen Zeit (die Sonne ging gerade erst auf) mit einer Schicht Raureif überzogen war.
Zurück vor der Metro traf ich Yvonne und wir gingen das kurze Stück zum Gelände. Es passte direkt und ich blickte weiterhin positiv, auf das, was am heutigen Tag noch vor uns lag. Bevor es in den Startkanal ging (dieser öffnet jeweils 15 Minuten vor der jeweiligen Startzeit), flitzten wir auf die Dixie-Klos, die wenig gut aussahen.
Und dann war es auch schon so weit. Im Startkanal trafen wir Frank (nicht meinen, sondern aus dem Schwabenländle). Yvonne und er hatten sich gestern bei dem Pre-Dinner bereits getroffen. Und so starteten wir gemeinsam in das Abenteuer Mammutmarsch. Für uns Drei war es der erste Mammutmarsch.
Von den spanischen Erklärungen zu Anfang verstanden wir Mädels nichts (außer Frank, der spricht sehr gut spanisch). Doch es gab auch noch eine Erklärung auf Deutsch. Nach dreimaligen „Mammut“ Ruf und dem Countdown von fünf abwärts wurden wir um 9:30 Uhr auf die Strecke gelassen. Jetzt gab es kein zurück mehr.
Die beiden legten ein gutes Tempo an den Tag, was aber auch meiner eigentlichen Geschwindigkeit entsprach. Die Frage war nur, ob das auch für 30 Kilometer reicht.
Die ersten sieben – acht Kilometer liefen wir noch halbwegs im Pulk, was es bei entgegenkommenden und überholenden Radfahrern und Joggern nicht immer leicht machte. Die Strecke ist mit Mammut-Schildern gekennzeichnet, außerdem hatte ich über Wikiloc den Track geöffnet. Dann entzerrte es sich etwas. Die erste von zwei Versorgungsstationen erreichten wir nach 8,94 Kilometern und 1:42 Stunden.
Neben Getränken (Wasser aus dem Kran, Eistee) gab es Nutella-Brote, Bananen, Tortilla-Chips, Gurken und Müsli-Riegel. Ich nahm mir zwei Müsli-Riegel und zwei Nutella-Brote. Letztere verputzte ich sofort (es gab Stühle und Tische) und die Riegel wanderten in den Vorrat.
Kurz vor Erreichen der Versorgungsstation hatte ich das Gefühl mir links unter dem dicken Zeh-Ballen eine Blase zu laufen. So war es auch. Und somit wechselte ich das Schuhwerk. In den Trecking-Sandalen bekamen die Füße immerhin mehr Luft.
Die festen Schuhe und die zwei Lagen Langarmshirts wanderten in den Rucksack und nach 15 Minuten Verschnauf- und Essenspause starteten wir in die nächste Etappe.
Ruckzuck waren die nächsten Kilometer gelaufen. Die Blase war weiterhin zu spüren. Ungefähr bei der Hälfte der Strecke zwickten meine Knie nicht mehr, dafür machte sich mein linkes Gesäß zunehmend bemerkbar. Schmerzfrei war ich an der Stelle schon seit Wochen bzw. mehreren Monaten nicht mehr.
Kurz vor der nächsten Versorgungsstation begann meine linke Wade sich zu verkrampfen. Und dann war diese auch schon erreicht (20,1 km – 4:05 Stunden). Diesmal gab es Hot Dogs mit Toast-Brot, Essiggurken und Saucen. Etwas merkwürdig aufgestellt, so dass man die Saucen übersehen musste und eigentlich zuerst an den Gurken stand und dann zum Hot Dog gelangte. Außerdem gab es Bananen, Äpfel, Tortilla-Chips und Cracker. Dulces, also Süßigkeiten, in Form von Weingummi, kleinen Mars, Snickers und Milky Way sowie Datteln, die in einem Förmchen mit Sprühsahne serviert wurden. Getränke in Form von Leitungswasser, Eistee, Cola, Apfelsaft, Red Bull und Kaffee standen zur Verfügung.
Beim Leitungswasser musste ich leider feststellen, dass dieses nach Chlor schmeckte. Und darauf hatte ich schon zweimal mit Durchfall reagiert. Also leerte ich meine Trinkflasche und befüllte diese mit Eistee.
Von anderen Mammuts, die bereits um 7:45 Uhr gestartet waren (also fast zwei Stunden vor uns), wurde meine erste Blase mit einem Blasenpfalster und Tape versorgt. Lange hielt dies allerdings nicht. Und zudem bahnte sich in unmittelbarer Nähe eine weitere Blase an.
Nach zwanzig Minuten nahmen wir unser letztes Drittel in Angriff. Auch die rechte Wade ließ nicht lange auf sich warten. War ich noch gut auf die letzte Etappe gestartet, wurde es zunehmend anstrengender für mich. Die Blasen waren deutlich zu spüren und vom Gesäß ganz zu schweigen. Yvonne und Frank hatten keine nennenswerten Beschwerden und hielten das Tempo bei. Ich folgte ihnen brav.
Die letzten drei Kilometer wurde es nochmal richtig anstrengend. Eigentlich lag der Zielbereich rechts von uns, doch wir mussten noch einen Bogen laufen. Wie gemein. Aber schließlich müssen die 30 Kilometer noch zusammenkommen.
Auf der Zielgeraden befanden sich immer mehr Menschen im Weg. Das schöne Wetter hatte die Spanier mit Kind und Kegel an den See gelockt und da liefen sie unkoordiniert durch die Gegend. Ganz schön lästig, wenn man nur noch ankommen will.
Und dann war es soweit, wir näherten uns dem Ziel „Meta“. Und schon waren wir durchgelaufen, erhielten unser Finisher-Bändchen und die 30 km-Medaille mit dem Mammut. Wir freuten uns riesig es geschafft zu haben. Und das auch noch in einer sehr guten Zeit. Inklusive Pausen waren wir die 30,6 km in 6:28 Stunden gelaufen. Abzüglich der Pausen waren wir keine 6 Stunden unterwegs.
Ich hätte Weinen können vor Freude es geschafft zu haben, konnte aber den Kloß im Hals schnell herunterschlucken.
Auf das Finisher-Getränk (eine Dose Red Bull, die waren wohl Sponsor) verzichteten wir. Stattdessen steuerten wir das Mammut für ein Foto an. Anschließend holten wir uns unsere Urkunde ab und bekamen als Neulinge das Mammutmarsch Stempelheft mit unseren ersten drei Stempeln.
Am Merchandise-Stand gab es noch genügend Shirts (Baumwoll- und Funktions-Shirts). War ich eigentlich der Meinung, dass ich höchstens das Funktions-Shirt kaufen wollen würde, probierte ich dennoch beide an. Und nahm letztlich beide. Marcha del Mammut ist vom Gefühl her nochmal etwas anderes.
Während sich Yvonne und Frank für abends noch zum Essen verabredeten, verabschiedete ich mich von beiden vor der Metro Station. Ich hätte mir so spontan für meinen ersten Mammutmarsch kaum bessere Laufgesellschaft wünschen können. Ein tausendfaches Dankeschön an euch. In nur zwei Monaten geht es dann, wie schon länger geplant, im Ruhrgebiet an den Start. Nadine, wir rocken das!!!
Schnell lud ich meine Metro-Karte mit einer Einzelfahrt auf und ging die Treppenstufen hinunter zum Gleis. Das war ein wenig anstrengend. Lange musste ich nicht warten und der Zug fuhr ein. Voll mit Leuten, so dass ich erst nach der dritten Station einen Sitzplatz bekam. In Puerta del Sur stieg ich in die ebenfalls volle Metro um, die mich zurück zu Allmo brachte. An der vorletzten Station hätte ich mich setzen können. Aber das ließ ich dann auch sein.
Die Rolltreppe brachte mich nach oben. Doch draußen wartete ein fast unüberwindbares Hindernis auf mich: Eine Treppe mit 5 – 6 Stufen. Puh, das war anstrengend. Auch die letzten ca. 500 Meter zurück zu Allmo lief ich im Schneckentempo. Vor 10 Stunden war ich um einiges dynamischer unterwegs gewesen.
Nach gefühlten Stunden kam ich bei Allmo an, um festzustellen, dass Frank nicht da war. Eigentlich wollte er bei Allmo auf mich warten, hatte es sich dann doch anders überlegt und war vermutlich an der anderen Straßenseite an mir vorbeigelaufen. Ich fand das wenig witzig. Schließlich hatte ich keinen Schlüssel mitgenommen und unsere „Haustür“ wollte sich elektronisch nicht öffnen lassen.
Irgendwann war Frank dann auch wieder da und ich konnte mich unter die heiße Dusche schwingen. Geschwitzt war ich nicht, aber an den Beinen tat das warme Wasser gut. Während der Dusche hatte Frank mit der Zubereitung der Mini-Pizzen angefangen. Auch wenn ich kein richtiges Hungergefühl hatte, war ich froh über die Pizza.
Meinen Platz in der Doka verließ ich nicht mehr. Mir tat Hintern abwärts, fast alles weh (außer Oberschenkel und Zehen). Frank rieb mich mehrfach mit Muskel-Schmerzgel ein.
Sonntag, 22. Februar 2026
Die Nacht war erneut besch… Zu dem nicht-einschlafen-können bzw. den fehlenden Tiefschlafphasen, dem sonoren Geräusch und ein wenig Straßenlärm, kamen nun auch die Schmerzen in den Waden, dem Gesäß und der dann letztlich drei Blasen an den Füßen hinzu.
Vor dem nächsten Mammutmarsch muss ich irgendwas ändern (andere Laufsocken, andere Schuhe, mehr Training, …).
Um 2 Uhr nachts waren wir hellwach. Irgendwann war es nach 7 Uhr. Der Tag begann langsam, die Straßengeräusche nahmen zu. Nach dem Frühstück hüpfte Allmo noch auf die Entsorgungsstation. Ich hievte mich auf den Beifahrersitz und wir fuhren zu LIDL. Auch runter vom Sitz war nicht leicht. Vielleicht hätte ich das kurze Stück besser laufen sollen. Bei LIDL kauften wir ein paar Lebensmittel und Sport-Socken. Vielleicht taugen die was. Nicht das wir noch einen großen Vorrat an Trecking-Socken hätten. Aber die sind wohl nicht auf Mammutmärsche ausgelegt.
Allmo bekam auch noch frischen Diesel von der PlenEnergy-Tankstelle für 1,309 Euro/Liter. Und dann ließen wir Madrid bzw. die Vororte von Madrid hinter uns.
Mammutmarsch
Es geht nicht um Schnelligkeit.
Es geht ums Ankommen.
Über die eigenen Grenzen hinauswachsen.
Den inneren Schweinehund bekämpfen.
Das Unmögliche möglich zu machen.
Die Bilder vom Mammutmarsch wurden teilweise von Yvonne und Frank zur Verfügung gestellt. Vielen Dank auch dafür an euch beide.
Tbc














































































































































































































































































































































































































