Wir waren uns nicht sicher, wo wir heute unser Nachtlager aufschlagen wollten. Ob an dem sehr langen Sandstrand von San Andres, der Playa de las Teresitas, wo es vermutlich eher hektisch und unruhig zugeht, oder an der vielleicht ruhigeren Playa de las Gaviotas.

Der erste neue Teerparkplatz an der Playa de las Teresitas sagte uns nicht unbedingt zu, weil es halt nur ein Parkplatz ist. An dem sich anschließenden größeren bzw. sehr langen Parkplatz, der gefühlt die ganze Breite der Bucht einnimmt, stand ein 7-Tonnen-Schild, welches wir erstmal beachteten.

Also kehrten wir um, und nahmen Kurs auf die Playa de las Gaviotas. Von der Straße (also in erhöhter Position) sahen wir, dass auf dem langen Parkplatz am anderen Ende ein paar Camper standen, die vielleicht alle unter der 7-Tonne-Grenze lagen. Freie Plätze gab es genug. Wir haben ja noch ein paar Tage bzw. Nächte.

Die Playa de las Teresitas sah von oben betrachtet so irreal aus. Der gelbe Sandstrand wirkt ein wenig fremd, wo doch die meisten Strände eher schwarzsandig sind oder aus Kieselsteinen bestehen. Der Sand muss dort hingekarrt worden sein. Natürlich wird dieser Strand nie im Leben so ausgesehen haben. Aber egal. Durch die langen Wellenbrecher wird der Sand auch hoffentlich schön liegen bleiben.

Wir stoppten an einem Mirador, an dem es eigentlich keine Parkmöglichkeiten gab, nur ein ganz schmaler Schotterstreifen stand dafür zur Verfügung. Auf der einen Seite blickten wir auf die Playa de las Teresitas und auf die Inselhauptstadt Santa Cruz de Teneriffa, welche sich ein wenig dahinter befindet. Auf der anderen Seite sahen wir unser Übernachtungsziel, die Playa de las Gaviotas, eine Bucht mit schwarzem Sandstrand. Der Parkplatz war schon sehr gut gefüllt.



Auf der Felsnase des Miradors stehen Gebäude einer ehemaligen Befestigungs-/Verteidigungsanlage. Das Gelände wird durch einen Zaun vor unberechtigten Zutritten gesichert.

Playa de las Gaviotas



Wir setzten unsere Fahrt zur Playa de las Gaviotas fort. Irgendwo werden wir schon noch einen Parkplatz für Allmo ergattern. Allmos Motorbremse durfte auf dem letzten Stück hinter zum Meer wieder richtig Arbeiten. Die Plätze zum Meer hin waren alle belegt, bzw. wollten wir uns nicht hinten in eine Pfütze und direkt neben einem Mercedes Vario aus Deutschland stellen. Also parkten wir direkt an der Felswand, die allerdings mit dicken Stahlnetzen überzogen war, so dass kein Stein den Weg nach unten finden dürfte.


In Küstennähe ankerten mehrere Schiffe, bei denen es sich vermutlich um Fischerboote und Öltanker handelte. Der Hafen von Santa Cruz liegt ja quasi um die Ecke und irgendwo muss man ja warten. So Meeresparkplätze sind definitiv einfacher zu bekommen und zu finden als LKW-Parkplätze.

Für ein Stündchen legten wir uns mit der Picknickdecke an den Strand und genossen die Sonne, die so herrlich schien. Dann wurde es für mich Zeit, das Brot in den Ofen zu schieben. Dies gestaltete sich jedoch sehr schwierig, weil wir kein Netz hatten und ich nicht auf Allmos Steuerung zugreifen konnte. Also musste ich Frank von der Picknickdecke aufscheuchen.

Während dann das Brot im Ofen seine Zeit absitzen musste, kehrte Frank zur Picknickdecke zurück. Als er zurückkam, war das Brot fast fertig, aber musste noch ein wenig abkühlen. Nachdem wir uns die letzten Tage von Toastbrot mit Körnern ernährt hatten, war unser selbstgebackenes Brot einfach nur ein Gedicht. Um ja kein Camping-Verhalten zu zeigen, verspeisten wir den Mittagssnack im Bett. Mit geöffnetem Dach könnte es kaum einen besseren Platz geben.

Gekentert



Anschließend versuchten wir ein wenig zu dösen, wurden jedoch durch nervige Musik eines ankommenden Fahrzeugs daran gehindert. Wenig später waren Stimmen aus einem Funkgerät zu hören und ein Herr der Strandwache vom Roten Kreuz (Cruz Roja) blickte aufs Meer. Irgendwas war da im Meer, was vorher nicht dort war. Es sah aus wie ein oder zwei Köpfe neben einem Felsen, aber dort war vorhin kein Felsen, und das bei Flut Felsen sichtbar werden, die bei Ebbe unsichtbar sind, ist ja eher unwahrscheinlich.

Unser Fernglas und das Telezoom der Kamera brachten die Lösung: Es war ein gekenterter Jetski, neben dem sich drei Menschen im Wasser befanden. Während einer der Männer der Strandwache sich mit Rettungsboje auf dem Weg machte, kam von links ein Schlauchboot mit drei Fischern zur Hilfe und von rechts (vermutlich von der Playa de las Teresitas) der herbeigerufene Jetski vom Cruz Roja. Per Megafon signalisierte der Rettungsschwimmer, der sich an Land befand, dass die gekenterten Leute warten sollen, bis die Hilfe da ist. Was ja gar nicht lange dauerte.



Nachdem das Fischerboot ein Seil zur Verfügung stellte, wurde der gekenterte Jetski, der mittlerweile zwar wieder richtig rum stand, aber mit dem Heck immer noch im Wasser versunken war, an den Cruz Roja Jetski festgebunden. Die zwei gekenterten Herren nahmen auf dem Jetski vom Cruz Roja Platz und die Dame wurde von dem Rettungsschwimmer an den Strand geschleppt.

Die beiden Jetskis verschwanden ganz ganz langsam in Richtung Playa de las Teresitas. Später, wir waren mittlerweile auch wieder an den Strand gegangen, wurde die Dame wieder ins Wasser gelassen, wo sie von dem Cruz Roja Jetski aufgesammelt wurde.

Wir lagen noch eine Weile am Strand, bis die Sonne beinah zeitgleich hinter Wolken und dem Berg verschwand. Inzwischen war es kurz nach 17 Uhr und der Parkplatz war deutlich leerer geworden. Diese Gelegenheit nutzten wir, um uns von den Felsen wegzustellen. Anschließend schoben wir zwei Mercadona Mini-Pizzen mit Extra-Belag in den Backofen und genossen unser frühes Abendessen mit Blick auf die Playa de las Gaviotas. Leider war es zu der Zeit schon schattig.

Parkhelden und Katzenfänger



Mit Einbruch der Dunkelheit versuchte ein Parkheld mit einem Leih-Pössl sich in die schmale Lücke zwischen uns und einem Pkw, der dort noch stand zu quetschen. Was dem Fahrer mangels Fahrkünsten nicht gut gelang. Ich hatte schon Sorge, dass der uns gleich in die Beifahrerseite fährt und das obwohl seine Partnerin von draußen fleißig dirigierte und er eigentlich diese Seite selbst hätte sehen müssen. Dann setzte der soweit vor, als wollte er Anlauf nehmen. Die Dame mit dem Pkw hatte schon Sorge um ihr Fahrzeug und fuhr dies erstmal zur Seite. Nun hatte der Parkheld eine ausreichend große Lücke, in die er unfallfrei einparken konnte. Super gemacht!!! (Ironie!)

Ich frag mich echt, warum ich von zwei Lücken die kleine wählen muss, wenn ich doch vielleicht noch nicht so vertraut mit dem Fahrzeug und den Abmessungen bin. Und warum kann ich nicht schon ankommen, wenn es noch richtig hell ist und vielleicht die Umgebung besser sehen kann? Puh, … Das Leben ist echt schwer … Das einzig Gute ist, dass nun schon einer neben uns steht und wenn noch irgendwer mitten in der Nacht auftaucht und sich im Einparken versucht, dann auf jeden Fall nicht neben uns.

Denn der Platz auf der anderen Seite ist durch eine Dame belegt, die versucht die Streuner-Katzen zu fangen. Zumindest lassen vier große Lebendfallen, Decken, Futter und ein riesiger Käscher darauf schließen. Nur dass diese Dame wohl kein glückliches Händchen mit Katzen hat und diese ihr bisher nicht auf dem Leim gegangen sind. Das wird wohl eine Aufgabe, die die gute Frau die ganze Nacht über beschäftigen wird.

Wer hätte gedacht, dass sich heute noch so viel um uns herum ereignen wird.

Mittwoch, 13. März 2024


Am Morgen sollte es dann noch „lustiger“ werden. Gegen 6 Uhr weckte uns die Müllabfuhr und gegen 7 Uhr startete einer unserer Camper-Nachbarn in den Tag. Zumindest dachten wir das. Doch nachdem zunächst der Motor lief und auch Fahrgeräusche zu hören waren, verebbte dies wieder, ohne das sich ein Fahrzeug den Berg hinauf bewegte.

Als wir mit Emma einen frühen Strandspaziergang unternehmen wollten, stellten wir dann fest, dass der Parkheld nicht mehr neben uns stand, sondern weiter von uns weg. Also quasi neben seinem Übernachtungsplatz. Auf diesem hatte er aber zuvor seinen Grauwassertank entleert und entsprechend nass war es auf seinem alten Platz und eine feuchte Spur führte auch auf den Parkplatz. Beim zurücksetzen in die neue Parkposition war der Tank entweder leer oder der Schieber geschossen worden. Wir verstehen echt die Welt nicht mehr. Und so ein Verhalten wird dann wieder allein Campern in die Schuhe geschoben. Muss sowas denn sein?

Noch vor dem Frühstück ging’s also mit Emma an den Strand, der nun – wo Ebbe herrschte – sehr tief war. Dort wo gestern die Dame versucht hatte die Katzen zu fangen, sahen wir auf die Entfernung ein paar Tiere, so dass ich Emmas Futterreste und auch neues Futter mit nach unten nahm. Aus allen Ecken kamen plötzlich Katzen angekrochen, allerdings sehr scheu (wen wundert’s, wenn Menschen versuchen sie zu fangen). Schnell holte ich noch etwas Nachschub und spazierte dann über den Strand zu Frank und Emma. Die beiden waren in der hintersten Ecke unterwegs. Auf dem Rückweg interessierte Emma sich nicht für die anderen Katzen und nahm Kurs auf Allmo. In der Zwischenzeit war der Parkheld vom Platz gefahren. Ansonsten hätten die von mir noch was zu hören bekommen. Der Aufenthalt hatte sich für die ja mega gelohnt. Fast im Dunkeln ankommen und schon gegen 8 Uhr wieder abreisen. Menschen gibt’s …

Das Frühstück nahmen wir mit Blick auf die Playa de las Gaviotas ein. Die Sonne brutzelte zu dieser frühen Stunde schon erbarmungslos und in den Nachrichten sollte ich später lesen, dass ab Freitag mit einer Hitzewelle auf den Kanaren zu rechnen ist. Die Temperaturen können mancherorts die 35 Grad erreichen, aber über 30 Grad werden es locker. Da ist es ja fast schön ärgerlich, dass wir am Sonntag abreisen. Aber wir können uns mit dem Wetter, welches uns seit Mitte September auf unserer Reise umgibt, überhaupt nicht beschweren.

Nach dem Frühstück gingen wir für ein paar Stündchen ohne Emma an den Strand. Nach einer kleinen Runde Frisbee werfen wechselten wir uns mit ins Wasser gehen und auf der Decke liegen ab. Es war aber auch wirklich warm. Mehr und mehr füllten sich der Strand und der Parkplatz.

Zur Mittagszeit traten wir den Rückzug an. Auch wenn es an der Playa de las Gaviotas, insbesondere wegen der hohen Felsen, sehr schön ist, so ist das Handynetz nur sporadisch vorhanden und glänzt meistens mit Abwesenheit. Also blieb uns nichts anderes übrig, als diesen Ort zu verlassen.

Unser nächstes Ziel ist die Playa de las Teresitas.

Tbc

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