Die Route des Canyons war unser nächstes Ziel. Doch das Wetter sah alles andere als ideal aus, um durch den Grand Canyon Marokkos zu fahren.

Von unserem Übernachtungsplatz, der auf rund 1300 Metern lag, fuhren wir auf etwas über 1700 Metern. Dort verwandelten sich die Regentropfen in Schneeregen. Aber nur ganz wenig, so dass nichts liegen blieb. Dafür war es wohl auch zu mild. Dicke Wolken hingen in den Bergen.

Wir entschieden, auf die Route des Canyons abzubiegen und zu Beginn stehenzubleiben. Für 12 Uhr war für mehrere Stunden eine Regenpause gemeldet. Dies verschob sich auf 14 und dann auf 15 Uhr.

Auf einer Fläche neben der Straße wollten wir die Zeit abwarten. Während Frank noch draußen schaute, warum unser Ladebooster heute nicht so laden wollte, wie sonst, wurde er von einem Hirten angesprochen. Dieser fragte nach Zigaretten, womit wir nicht aushelfen konnten und ging dann zurück zu einer Höhle. Frank sah später, dass er sich dort ein Feuerchen gemacht hatte.

Wir verbrachten ein paar Stunden mit fernsehen (Frank) bzw. lesen (ich). Zur Mittagszeit, Frank hatte gerade Marmelade und Wurst aus dem Kühlslchrank geholt, kam eine Hirtin angelaufen. Schon beim Näherkommen rief sie „Bonjour, Bonjour“. Ich winkte von innen und widmete mich meinem Brot. Frank sah, wie sie ein Handy zückte und uns fotografierte. Ob wir sie, so ungefragt, auch mit Steinen hätten bewerfen sollen? Gleiches Recht für alle, oder? Und dann rief sie wieder „Bonjour“. Ich winkte erneut. Kann man uns nicht einfach in Ruhe lassen? Frank brachte wieder alles zurück in den Kühlschrank und wir ergriffen die Flucht.

Auch wenn es noch immer tröpfelte, sah der Himmel etwas heller aus. Der Name Route des Canyons versprach nicht zu viel. Die Straße führt nach Aoukerda und wurde letzten Herbst bei Starkregen und einer damit verbundenen Sturzflut beschädigt. Häuser in Aoukerda wurden zerstört/weggespült und der Palmenhain stark dezimiert.



An diversen Stellen fanden Arbeiten an der Straße statt, um diese wieder herzurichten. Streckenweise hatten heruntergefallene Felsen den Asphalt beschädigt (das war noch das geringste), ganzen Felsmassen lagen auf der Straße, Randbefestigungen waren an mehreren Stellen unterspült worden und teilweise samt Asphalt abgebrochen.

Wir fuhren in zig Kurven um die steil emporragenden Wände und Ausläufer des Canyons herum. Der Vergleich mit dem Grand Canyon ist natürlich etwas überzogen, aber die Route des Canyons ist einzigartig. Bei gutem Wetter ist die Strecke bestimmt noch viel schöner.

Vom Viewpoint Grand Canyon (auf der Fläche wird derzeit Baumaterial gelagert, so dass wir am Straßenrand parkten) blickten wir auf einen Horseshoe. Ein paar Kurven weiter lag La Fenetre de la Vie (The window of Life) vor uns. Ein großes viereckiges Loch in der Felswand.



Die Straße endet in Aoukerda. Wir parkten Allmo auf einer größeren Fläche neben der Straße, die von den LKWs wohl aus Wendepunkt genutzt wird. Die Verwüstungen des Unwetters hatten wir deutlich vor Augen. Die Randbefestigungen aus Beton waren teilweise zerstört und als wir uns dem Dorf näherten, hätten neben uns eigentlich schon Häuser sein müssen, wo jetzt keine mehr waren. Von einem Gebäude standen noch ein paar Mauern, Badezimmerfliesen waren an anderer Stelle zu erkennen. Unter dem Schutt lag eine Matratze. Ganze Häuser hatten die Wassermassen mit sich gerissen. Teilweise entdeckten wir später Metalltüren hinter der nächsten Biegung im Flussbett. Auch Betonteile mit Eisenbewehrung und Drähte der Gabionen-Stützmauern waren davongespült worden.



Nicht nur die Route des Canyons führte uns nach Aoukerda, sondern auch eine Höhle (Cave Aoukerda). Wir gingen auf das Dorf zu uns bogen an ins trockene Flussbett ab. Dort wurde uns das Ausmaß mit den zerstörten Häusern so richtig vor Augen geführt. Wir mussten etwas klettern, um im Flussbett weiterlaufen zu können. Der Eingang der Cave Aoukerda war bereits zu sehen.

Es handelt sich um einen Durchgang, durch den Felsen. Also keine richtige Höhle. Am anderen Ende führten Treppenstufen hinunter in das Flussbett. Auch hier hatte der Palmenhain stark gelitten. Große Palmen hatte es umgehauen. Anstatt durch die Höhle zurückzugehen, gingen wir durch das Flussbett, umrundeten den Felsen mit der Höhle und kehrten zu Allmo zurück.



So nah am Dorf wollten wir nicht stehen bleiben. Außerdem war für den Nachmittag noch weiterer Regen gemeldet. Auch wenn es etwas weiter aufgeklart hatte und die Sonne ganz vorsichtig durch die Wolkendecke blinzelte, wollten wir lieber weiterfahren. Man weiß ja auch nie, ob Regen nicht zu weiteren Beschädigungen an der Straße führt. Also fuhren wir wieder aus dem beeindruckenden Canyon heraus.

Uns hatte dieser Canyon bei Aoukerda tausendmal besser gefallen als die Dades Schlucht und auch besser als der touristische Teil der Todra Schlucht. Warum die Stellen so gehypt werden, ist uns schleierhaft. Die Route des Canyons war viel sehenswerter.



Wir wollten noch etwas Strecke machen, entschieden uns dann jedoch recht bald von der Hauptstraße, die in Richtung Icht führt, abzubiegen. Wir fuhren über eine Piste, die uns recht schnell auf den Mond brachte, und parkten neben der Strecke.

Theoretisch ist es der ideale Ort, um den Sternschnuppenregen der Geminiden heute Nacht zu beobachten. Praktisch wird es dafür wohl zu bewölkt sein.



Es blieb tatsächlich eine Weile trocken und der Wetterfrosch signalisierte plötzlich, dass es trocken bleiben sollte. Gerade als Frank mit dem Abendessen beginnen wollte, begann es zu tröpfeln. Erst leicht, dann mehr. Der Wetterfrosch war wohl nicht ganz ausgeschlafen, als er die Wettervorhersage änderet.

Doch Frank hielt an seinem Plan fest: es sollte Reibekuchen geben. Getreu dem Motto „das meiste fällt daneben“, kämpfte er mit dem Wind und den Kartoffelschalen. Tatsächlich hatte er Glück, denn der Regen stand auf der Fahrerseite und Allmo fing die Regentropfen für ihn ab. Die Mühen hatten sich gelohnt. Die Reibekuchen schmeckten sehr gut.

Sonntag, 14. Dezember 2025

Während wir uns auf dem Mond befanden, gab es in anderen Regionen von Marokko einen Wintereinbruch.

Gemeldet waren für dieses Wochenende Schneemengen von bis zu 30 cm. Bereits vor ein paar Tagen sah ich diese Info auf FB. Daher war es keine große Überraschung, am Abend in den Marokko-FB-Gruppen Bilder mit Schnee zu sehen und Nachrichten über gesperrte Straßen zu lesen.

Schnee und Glatteis brachten selbst den Verkehr auf den Nationalstraßen zum Erliegen. Ouarzazate, Tinger (Todra Gorge), El-Kelaa M’Gouna versinken im Schnee. Die höher gelegenen Passtraßen sind gesperrt. Die Nationalstraße von Zagora nach Merzouga war von Überflutungen betroffen.

Wir freuen uns, dass wir diese Orte schneefrei besuchen konnten und das wir nun in schneefreien Regionen unterwegs sind. Die letzten beiden Übernachtungsplätze befanden sich auf 1300 Metern, wo der Schnee nur als Regen herunterkommt. Auf rund 1700 Metern hatten wir gestern auf der Fahrt leichten Schneeregen. Es könnte also schlimmer sein.

Den Sternschnuppen-Regen der Geminiden konnten wir wgen der vielen Wolken in der Nacht leider nicht sehen.

Zum Frühstück gab’s heute wieder Eier. Diesmal leistete der Eierkocher vernünftige Arbeit und die Eier waren hartgekocht und nicht roh, wie beim letzten Mal.

Nach etwas Regen am Morgen, strahlte die Sonne die in der Ferne liegenden Hügel an und ich freute mich, dass das Wetter nun besser wird. Doch die Freude währte nur kurz und es zog sich wieder komplett zu. Im leichten Nieselregen fuhren wir weiter.

Doch zuvor musste Frank sich noch um unsere Starterbatterie kümmern. Diese zeigte zu wenig Spannung an. Wie gut, dass wir über einen Schalter auf eine andere Starterbatterie wechseln können.

Wir folgten dem Straßenverlauf der R107 nach Icht, also in Richtung Süden. Die Straße verlief entlang des schönen Canyons, den wir gestern von der anderen Seite – auf der Route des Canyons – befahren hatten. Wir genossen die Ausblicke (Frank mehr als ich, weil der Canyon auf der Fahrerseite lag). In Kurven ging es Stück für Stück runter von unseren Höhenmetern.

Wir erreichten das Tal am anderen Ende des Canyons. Auch dieser Ort (Irmir Smougen) scheint von den Überflutungen im letzten Jahr betroffen gewesen zu sein. Nicht verwunderlich, denn derselbe Fluss fließt durch den Ort und weiter in Richtung Süden.

Die Straße zwischen Felsen und Hang wurde gerade neu hergerichtet und vor unseren Augen ein Umleitungsschild aufgestellt. Dieses führte über eine recht steile Abfahrt in das trockene Flussbett. Für normale Camper könnte die Auffahrt (besonders bei dem aktuellen Wetter) schwierig sein.



Wir folgten der angelegten Spur durch das Flussbett. Für Allmo war die Strecke sehr gut zu befahren. Hinter dem Dorf gelangten wir wieder auf die Asphaltstraße.

Im weiteren Straßenverlauf in Richtung Süden kreuzte die Straße R107 immer wieder das Flussbett. An allen diesen Stellen war die Straße entweder beschädigt oder fehlte der Asphalt komplett. Teilweise war der Schutthaufen neben der geräumten Straße über einen Meter hoch.

Die Landschaft mit den hohen Felswänden, dem sehr breiten und derzeit trockenen Flussbett war wunderschön. Irgendwann hatten wir die letzten Ausläufer des Canyons hinter uns gelassen.

Tbc

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