
Die vier Kilometer lange Piste vom Fort Bou Jerif führte uns geradewegs zu dem Track STB der Pistenkuh. Damit ist die Piste von Tan-Tan zum Plage Blanche gemeint. Über den Plage Blanche wollten wir jedoch nicht fahren. Zum einen, weil nach dem Regen, Stürmen und hohen Wellen eine Fahrt über den Strand, die eh nur bei Ebbe möglich ist, bestimmt wenig spaßig ist. Und auch so müssen wir Allmo nicht unbedingt dem Salzwasser aussetzen. Aber es gibt ja auch eine alternative Strecke, die asphaltiert ist.
Zunächst folgten wir der RP1300 in westliche Richtung und dann lag er plötzlich vor uns: Der Atlantik! Fast 8 Wochen ist es her, dass wir zuletzt am Meer waren. Quasi seit unserer Überfahrt nach Marokko.
Wir bogen nach links auf die RR108 ab. In entgegengesetzte Richtung führt diese nach Sidi Ifni, der Stadt, die von Wassermassen am Wochenende heimgesucht wurde. Zig Dutzende Häuser wurden zerstört, mehr als 20 Menschen starben in den Fluten. Wir fuhren aber in die andere Richtung.
Die RR108 verläuft mit Abstand am Meer entlang. Frank fühlte sich ein bisschen wie auf den Kanaren. Nur das dort keine Zelte oder einfache Hütten am Strand stehen, in denen Fischer wohnen. Hier ist dies so. Daher sieht’s auch ein wenig schmuddelig aus. Was aber auch an der Wetterlage der letzten Tage liegen kann. Das Meer wird wohl auch etwas an Unrat angeschwemmt haben.
Der Anblick des Meers machte uns ein wenig traurig. Wie gern war Emma am Strand spazieren gegangen und hinterließ ihre kleinen Tatzenabdrücke auf dem Sand. Frank meinte jedoch zu Recht, dass sie den Wind gehasst hätte. Zwei Monate und vier Tage ist es her, dass sie nicht mehr bei uns ist.
Wir schnupperten Meeresluft, die einer Mischung aus Salz- und Fischgeruch entsprach und begnügten uns mit Blicken von oben. Weiter ging’s am nördlichen Ausläufer des Plage Blanche entlang. Wir bogen in Richtung Meer ab und suchten uns einen Platz abseits der drei Camper, die auf einer freien Fläche standen.
Der Vogelbeobachtungsturm schien uns ein guter Übernachtungsplatz. Das Flussbett neben uns war gut gefüllt oder handelt es sich um eine Lagune? Wasservögel wie Flamingos, Möwen und die keinen Strandläufer (keine Ahnung, wie die richtig heißen) sind hier zu Hause.
Später unternahmen wir einen Spaziergang ans Meer. Über die Dünen und dann zwischen der Mündung des Flusses und dem eigentlichen Strandbereich. Dort war ein kleiner Wall bis zum Meer aufgetürmt und rechts neben dem Wall gab es eine Fahrspur. Vermutlich ist der Boden dort festgefahren. Weiter rechts war die Erde deutlich sichtbar feucht und darunter vermutlich schlammig. Die ortsansässige Strandhunde-Gang beäugte uns kritisch. Doch von uns ging keine Gefahr aus, also schauten sie nur.
Auf dem Weg zum Wasser fanden wir dann eine Hülle von einer Versicherungsgesellschaft auf dem feuchten Boden liegen. Darin ein Führerschein eines jungen Marokkaners, das Versicherungsdokument und die Eigentumspapiere zu einem Docker (das sind diese Dreiräder, wie eine Ape). Lange können die Sachen dort nicht gelegen haben. Vielleicht eine Nacht.
Wieder zurück bei Allmo suchte ich zuerst den Namen bei FB, wurde aber nicht fündig. Dann setzte ich ein Foto von der Mappe am Strand bei FB in der Overlanding Marokko Gruppe ein. Zwei Marokkaner gaben mir nützliche Tipps. Ich kontaktierte die Versicherungsgesellschaft per WhatsApp und tatsächlich bekam ich eine Antwort, dass sie den Eigentümer informieren werden und fragten, wo er die Sachen abholen kann. Mal sehen, wann der junge Mann auftaucht. Eilig haben wir es nicht und würden auch noch eine weitere Nacht bleiben.
Der junge Mann meldete sich später per WhatsApp. Allerdings würde er es erst in 3 bis 4 Tagen an den Plage Blanche schaffen und so lange wollen wir nicht bleiben. Aus Guelmim, wo er wohnt, kamen wir erst gestern, werden allerdings auf dem Rückweg aus dem Süden wieder dort vorbei fahren. Somit verabredeten wir, dass wir auf dem Rückweg in ca. 10 – 14 Tagen in Guelmim Halt machen und ihm dann seine Unterlagen überreichen.
Neun Esel kamen am Nachmittag auf ihrem Mittwochs-Spaziergang bei uns vorbei. Sie waren nicht ganz so schreckhaft wie ihre beiden Artgenossen auf dem Foum Zguid Rundkurs.
Später am Nachmittag zog es sich zu, der Wind frischte deutlich auf und böse Regenwolken tauchten auf. In Eile bauten wir das Dachzelt ab. Doch ganz umsonst. Die dunklen Wolken zogen weiter und dahinter tauchte ein blauer Himmel auf. Frank fand das sehr unspaßig, wollte er doch gerne wieder im Dachzelt schlafen.
Zum Abendessen gab es eine weitere Portion von der gestern angebratenen Bolognesesauce, zusammen mit Nachos.
Donnerstag, 18. Dezember 2025
In der Nacht war es sehr unruhig. Das Meeresrauschen war ein monotones Brummen, doch was nervte war der Wind. Wir bekamen diesen volle Breitseite ab und waren entsprechend früh wach und unausgeschlafen. Für uns stand fest, dass wir flüchten (weiterfahren) müssen.
Doch dann war es am Morgen windstill, die Sonne schien und wir blieben. Ich nutzte die Gelegenheit, um ein wenig zu lesen, Unterwäsche zu waschen (nochmal werden wir in Marokko keine Waschmaschine nutzen) und einen Apfelkuchen zu backen.
Frank schaute am Morgen nach unserer Starterbatterie. Seit einer Woche ist diese nicht so ganz fit. Insbesondere wenn die Lima-Ladung läuft, sinkt die Spannung auf einen zu niedrigen Wert. Wie gut, dass wir über einen zweiten Batteriepack verfügen.
Zum Abendessen gab’s die dritte und letzte Portion der Bolognesesauce. Für Frank als mit Käse überbackenes Mett-Brötchen, für mich als Nudelauflauf.
Am Vormittag und späten Nachmittag besuchte uns ein Hund (keiner der vier, die wir gestern gesehen hatten) und erleichterte uns um ein paar Dosen Katzenfutter. Die Esel ließen sich nicht blicken, dabei lagen die Apfelschalen bereit.
Freitag, 19. Dezember 2025
In der Nacht kam ich mehre zur Ruhe. Es war windstill. Irgendwann nach 3 Uhr wurde ich wach. Waren das Regentropfen? Wenn ja, dann waren es nicht viele und am Morgen war draußen auch nicht zu erkennen, dass es geregnet haben könnte. Ich benötigte einige Zeit, um wieder einzuschlafen, dass Meer war sehr laut und ich glaubte auch noch Motorengeräusche zu hören und dann war es plötzlich halb 9 Uhr. Huch!!! Wie gut, dass wir keine Termine und nicht viel vor haben.
Es war schon fast 11 Uhr, als wir bei viel Sonnenschein den Platz neben dem Plage Blanche verließen.
Auf der RR118, die uns ein Stück weiter in den Süden bringen sollte, wurde der Asphalt schnell zur Piste. Es ging durch eine kleine Wasserdurchfahrt mit Flamingos und danach waren wir wieder auf Asphalt. Die Freude war nur kurz und wir fuhren einige Kilometer auf einer üblen Wellblechpiste. Wer hatte die ganzen Querrillen in die Piste gefahren? So gut es ging wichen wir den Wellen aus. Dazu mussten wir nur den Hauptspuren folgen. Gegenverkehr gab es keinen und so nutzten wir die gesamte Fahrbahnbreite aus.
Ich hatte für mich entschieden, dass wir nicht zum Aoreora Fort abbiegen und somit auch nicht die Piste oberhalb des Plage Blanche bis zum Oued Draa fahren werden. Für nächste Woche wird wieder schlechteres Wetter vorhergesagt und daher wollten wir die Zeit lieber nutzen, um schneller etwas weiter in den Süden zu kommen und ein wenig am Meer entspannen.
Wir fuhren daher so weit durch, dass wir auf der N1 landeten.
Tbc














































































































































































































































































































































































































