
Die N1 brachte uns wieder ein wenig Richtung Norden. Der Eindruck, den wir bisher von der vierspurig ausgebauten Straße hatten, bestätigte sich. Es herrscht relativ wenig Verkehr für so eine gut ausgebaute Straße. Dafür hatten wir ja vor ein paar Tagen gewundert, warum so viele LKW über die schmalere Küstenstraße R109 fuhren.
Der Grund liegt bestimmt an der Aussicht. Während entlang der R109 auf der einen Seite das Meer zu sehen ist, befinden sich auf der anderen Seite Dünen. Auf der N1 fehlt beides. Die Landschaft ist eher trist.
Auf der Ortsdurchfahrt in Daoura wurden wir von vielen Palmen und Straßenlaternen flankiert. Später, als wir auf Tah zurollten, blickten wir auf hunderte von Windrädern und Strommasten in verschiedenen Größen.
Und dann geschah es wieder, ganz leise still und heimlich. Wir ließen die südliche Provinz Westsahara hinter uns und befanden uns wieder voll und ganz in Marokko. Das Nest Tah verfügt über einen großen Kreisverkehr, an dem sich ein paar Geschäfte und somit der Mittelpunkt des – ebenfalls kreisförmig angelegten Dorfes – befanden. Auf dem Kreisverkehr gibt es ein Denkmal. Auf dieses wurde zu Beginn des Dorfes auch hingewiesen. Doch wegen winkender Kinder und generell zu vielen Menschen, fuhren wir weiter.
Die N1 führte nun direkt an den Windrädern vorbei und brachte uns bis zum Abzweig östlich von Tarfaya. Dunklere Wolken hingen an der Küste. Es war zu erwarten gewesen, dass das Wetter in Richtung Norden schlechter wird.
Auf unserem Weg nach Tarfaya vor sechs Tagen wurden wir auf zwei Lost Places aufmerksam. Diese sahen wir uns heute an.
Bei dem einen verlassenen Ort, handelt es sich um eine ehemalige Tankstelle der Firma Atlas. Die neue Tankstelle der gleichen Marke befindet sich nur wenige Meter daneben. Die Zapfsäulen wurden schön eingepackt, das Überdach ist nicht mehr vorhanden und die Stahlträger rosten vor sich hin. Das Büro zum Bezahlen ist geschlossen und vor dem Eingangsbereich des Restaurants wurde etwas Sand angeweht.
In der Nachbarschaft befindet sich ein Erholungsbereich, der geschlossen war. Eigentlich wurden wir durch das kleine Flugzeug, welches vor den Eingangstoren stand, auf den Aire de Repos Tarfaya aufmerksam. Die Werbung für das Restaurant, Fisch, Tajine, Tee und einen Kinderspielplatz rostet vor sich hin. Über den Zaun können wir erkennen, dass sich in dem einen Gebäude ein Kaffeevollautomat befindet. Im Toilettengebäude brannte Licht und ein Moped stand davor. Vielleicht hatte der Bereich jetzt nur geschlossen, weil die Saison vorüber ist.
Wenige Kilometer weiter wartete der dritte verlassene Ort auf uns: Camping Villa Bens. Vor einer Woche hatten wir gesehen, dass der Campingplatz der Vergangenheit angehören muss. Teilweise war Sand meterhoch angeweht worden. Frank sah in dem rechten Gebäude jemanden Arbeiten, so dass wir uns nur in dem linken Bereich umsahen.
Letzte Bewertungen bei Gockel sind acht Jahre alt. So lange wird der Ort also in etwa verlassen sein. Die Duschen und Toiletten waren nett gemacht und sahen auch noch sehr gut aus. Keine Zerstörungswut hatte dort getobt. Die Toilettenschüsseln waren intakt, der Duschkopf hing noch und die Spiegel waren nur etwas blind geworden.
Neben dem Campingbereich gab es wohl auch ein paar kleine Zimmer, die gemietet werden konnten. Eigentlich kein schlechter Ort. Nur durch die Straße vom Meer getrennt. Wobei der Straßenlärm vielleicht das Aus für den Camping war.
Wir setzten unsere Fahrt fort. Unser Ziel, die Sanddüne, an der wir vor genau einer Woche auch schon übernachtet hatten (in der Nähe der Naila Lagune), lag ungefähr 70 Kilometer entfernt.
Innerhalb der letzten Woche muss es auch an der Sanddüne sehr windig gewesen sein. Wir hatten es ja selbst an den verschiedenen Standorten erlebt. Zum einen waren die Fahrspuren zugeweht, zum anderen war die Dünenkunst verschwunden. Wie interessant sahen die verschiedenen Strukturen auf den Dünen aus?! Jetzt hatte jemand (der Wind) schön gleichmäßig Sand darüber verteilt und nur an winzigen Stellen war noch etwas von der Kunst zu sehen. Wie schade.
Bis wir vernünftig positioniert waren, dauerte es etwas und Allmo sorgte dabei für seine eigene Sandkunst in Form von Reifenabdrücken.
Zum Abendessen gab es Bratwurst (noch aus Spanien) mit Krautsalat.
Sonntag, 28. Dezember 2025
In der Nacht regnete es ein paar Tropfen und auch am nächsten Tag zogen drei-, viermal kleine Regenfronten an uns vorbei. Vom Meer sahen wir das schlechte Wetter kommen. Dann regnete es ein paar Minuten. Und schon war der ganze Spuk vorbei und das schlechte Wetter weitergezogen. Die Sonne strahlte, als wenn nichts gewesen wäre.
Wie sich daraus vermuten lässt, legten wir erneut einen lazy day ein. Es ist das schlechte Wetter im Nordwesten und Norden, welches uns bremst.
Wir taten also nichts, an diesem Sonntag zwischen den Jahren. Außer zwischen Draußen und Drinnen wechseln, wenn es zu regnen begann. Ach ja, ich zauberte uns einen leckeren Apfelkuchen, den wir – noch warm – verputzten. Das Rezept von Gabi (travel2gravel) ist goldwert.
Die einzigen Lebewesen, die wir sahen, war eine kleine Ziegenherde, die vormittags an uns vorbei Richtung Osten ging und nachmittags in Begleitung von zwei Hunden wieder zurückkam.
Zum Abendessen gab’s die Reste der gestrigen Bratwurst, kleingeschnitten, mit einer Dose Tomaten, Nachos und Käse im Backofen überbacken. Schmeckte gut.
Montag, 29. Dezember 2025
Nach dem letzten kurzen Schauer am Sonntagnachmittag blieb es trocken. Zu dem war es in der Nacht Windstill. Nur das Rauschen des Meeres war zu hören. Und ein wenig Motorengeräusche von der N1.
Am Morgen war die Sonne etwas verhalten. Als wir erst nach dem Mittag losfuhren, war es sonnig und windstill. Welch eine Ironie.
Wir tankten an der Shell-Tankstell, die sich direkt am Zugang von der N1 zur Piste befand. Obwohl sich die Tankfüllung mit etwas über 50 Liter kaum lohnte. Aber für günstige 8,73 Dirham, also 0,82 EUR den Liter Diesel, mussten wir nochmal zuschlagen. Frank tankte voll und wie es aussah, war unser Tank wieder dicht. Also hatte sich Franks Arbeit von Heiligabend gelohnt.
tbc














































































































































































































































































































































































































