Eine Woche sind wir nun zurück aus Marokko und es wird Zeit für das Fazit. Am einfachsten ist Marokko, als das Land der Gegensätze zu beschreiben. Ich finde, dass trifft es ganz gut.

Hohe Berge und Meer. Wüsten aus Sand und Stein. Üppige grüne Natur und von Dürre gekennzeichnete Landschaften. Trockene Flussbetten, die zu reißenden Strömen wurden. Kleine Dörfer und große Städte. Arm und Reich. Eselkarren und teure SUVs. Marokko könnte nicht unterschiedlicher sein.

Marokkos Landschaften haben uns vom ersten Tag an begeistert. Besonders in den Bergen und in den Wüsten fühlten wir uns wohl. Wir hatten eigentlich damit gerechnet, dass wir das Meer mehr vermissen würden. Doch die Landschaften im Land boten so viel Abwechslung, sowohl auf Teer, als auch auf den Pisten, dass sich unsere Sehnsucht nach Wasser in Grenzen hielt.

Viele Menschen sind herzlich und offen gegenüber Touristen. Ein ehrliches Lächeln und Winken am Straßenrand. Die Hand geht zum Herz. Insbesondere an den ersten beiden Tagen und den letzten Tagen erlebten wir dies. Dazwischen ganz viel betteln und nur wenig ehrlich gemeintes Winken. Zum Thema „Betteln“ gibt es einen eigenen Bericht.

Schnell war klar, dass wir die visumsfreie Zeit von 90 Tagen nicht probieren zu verlängern. Knapp drei Monate reichten uns. Letztlich verließen wir nach 82 Tagen und 6972 km Marokko. Dies entspricht im Schnitt 85 Kilometern pro Tag. Hört sich wenig an. Doch für unsere Verhältnisse und Reisegewohnheiten ist es viel.

Pistenabenteuer



An sehr vielen Orten sind Straßenbauarbeiten im Gange. Immer mehr Pisten verschwinden und werden zu Asphalt. Was das off-road-Abenteuer schmälert, ist für die Bewohner in sehr abgelegenen Regionen eine deutliche Erleichterung. Und die Landschaft entlang der Piste oder Straße bleibt ja doch die gleiche.

Wir sind einige Pisten der Pistenkuh gefahren. Das off-road Tourenbuch für Marokko können wir daher sehr empfehlen.

Leider hatten wir auf den Pisten zwei Reifenpannen. Auf einer Piste holten wir uns irgendwo eine etwas größere Beschädigung an der Flanke (Fahrerseite hinten) und dann wenige Tage später hatten wir einen vollen Durchschlag auf der Beifahrerseite hinten. Erstmals mussten wir unser Ersatzrad herunterlassen. Drei Stunden später war alles erledigt, wir wieder fahrbereit. Die Sonne war gerade untergegangen, also blieben wir, wo wir waren.



Werkstätten



Zagora schwebt wie eine Wolke über allem. Wenn was am Fahrzeug zu machen ist, dann in Zagora. Totaler Quatsch. Überall, oder fast überall, gibt es kleine Werkstätten. Man muss also nicht nach Zagora, um etwas machen zu lassen.

Unseren ersten Werkstattbesuch hatten wir in Ouarzazate, weil Frank Werkzeug benötigte, um die Schraube der Stoßdämpfer-Aufhängung richtig herum einzubauen. Falsch herum hatte er sie in Spanien eingebaut und das hatte nur 3000 Kilometer gehalten und die Schraube war wieder gebrochen. Vermutlich war die kurze Lebensdauer dem geschuldet, dass er die Schraube falsch herum eingebaut hatte. Um sie richtig einzubauen, musste Werkzeug her. Ohne Termin und ohne Wartezeit wurde uns bei Mecanique Kamal Kalim in Ouarzazate sofort geholfen und der Firmeninhaber besorgte uns noch zwei neue Schrauben. Dies ist jetzt 4500 Kilometer her und noch ist die richtig montierte Schraube ganz.

Nach der zweiten Reifenpannen mussten wir natürlich auch in die Werkstatt, um die Reifen Flicken zu lassen. Wir stoppten im ersten größeren Ort, Taliouine, bei einem namenlosen Reifen-Spezialisten an der Hauptstraße. Wieder ohne Termin und wieder wurde uns sofort geholfen. Den ersten Reifen-Kratzer hatten wir nur von außen selbst geflickt (Pflaster und Cement hatten wir in N’Kob bei einer Werkstatt gekauft), jetzt wollten wir es ordentlich machen. Beide beschädigten Reifen bekamen von innen Pflaster aufgeklebt. Unser Ersatz-Reifengummi musste auf die Felge. Der stärker beschädigte Reifen wurde als Ersatz eingelagert, das Reserverad wieder hinten drauf. Eine dreistündige Aktion und wir waren wieder gut ausgestattet für neue Abenteuer.



Wetter



Mitte Dezember kippte das Wetter, zuvor hatten wir in den zwei Monaten nur an einem Tag leichten Nieselregen. Besonders der Norden von Marokko war betroffen. Die Flüsse und Kanalisation kamen mit den Wassermassen nicht zurecht. Land unter. Selbst Tage und Wochen später waren die Böden teilweise noch getränkt. In den Bergen fiel entsprechend Schnee.

Wir verzichteten auf die letzten drei Pisten, die wir gerne noch gefahren wären. Wir wussten nicht, wie viel Regen auf den Strecken heruntergekommen und wie gut diese nun noch befahrbar waren. Auf eine Schlammschlacht oder gar ein Steckenbleiben und Versinken hatten wir keine Lust. Zudem muss man den Einheimischen auch nicht unnötig ihre Wege zerstören und durchpflügen.



Kontrollen an der Küste



Somit waren wir dann schneller als gedacht an der Küste. Auch wenn wir uns immer südlich von den Unwettern befanden, wehte am Meer ein sehr frischer Wind. Einfach faul am Strand liegen und entspannen und erholen war nicht drin. Hinzu kam, dass an vielen Orten am Meer nicht übernachtet werden darf. Die Küste wird streng vom Militär überwacht.

Zweimal wurden wir abends/nachts vom Militär kontrolliert und durften stehen bleiben. Einmal wurde der gesamte Bereich geräumt und wir weggeschickt (ausgerechnet an Silvester). Das war wenig spaßig, zumal wir im Dunkeln dann einen neuen Platz suchen mussten.

Allgemeine Polizeikontrollen


Mehrmals täglich passierten wir Kontrollstellen der Gendarmerie. Diese werden durch Schilder kurz vorher angekündigt. Langsam fahren, stoppen, auf Zeichen warten, weiterfahren. Nur einmal mussten wir unsere Pässe zeigen, ansonsten wurden wir immer durchgewunken.




Müll

Müll bzw. dessen Entsorgung ist ein großes Problem. Wir können gut darüber hinwegsehen, so dass uns die Vielzahl an illegalen Müllhalden am Straßenrand nicht unsere Stimmung trübten. Wer damit nicht klar kommt, für den ist Marokko nicht das richtige Reiseland.

Wir sahen aber auch Leute (von der Stadt), die den Müll einsammelten, diesen dann auf einen Haufen legten und verbrannten. Idealerweise neben einem Schild, welches auf die Gefahr von Feuer (Waldbrände) hinweist.

Fazit


Auch wenn sich vieles kritisch oder negativ anhört, so hat es uns in Marokko gefallen. Unsere vier vorherigen Winter waren einfach nur anders, entspannter, haben mich mental weniger gefordert.

Vielleicht liegt es aber auch daran, dass wir diese Reise zu Dritt gestartet waren und unsere Reisekatze-Emma in Spanien so plötzlich verstorben ist. Dies ist jetzt etwas über drei Monate her und der Schmerz und die Trauer sitzen immer noch tief. Dadurch bin ich vielleicht nicht so belastbar und genervter von manchen Situationen. Wobei ich mich auch öfter bei dem Gedanken erwischt habe, dass Emma Marokko gehasst hätte. Das viele Geschaukel auf den Pisten, wäre überhaupt nicht ihr Ding gewesen.



Gut ist, dass wir Marokko erst in unserem fünften Winter als Reiseziel gewählt hatten. Wären wir dort schon auf unserer ersten Reise hingefahren, bin ich mir nicht sicher, ob wir noch reisen würden. Wir sind routiniert in unseren Tagesabläufen und Routine bringt automatisch Vertrauen mit sich. Zudem sind Frank und Allmo ein super Team.

Eine Auflistung, was uns besonders gut gefallen hat, gibt es an dieser Stelle nicht. Die wäre sehr lang und eine deutlich kürzere negativ-Liste möchte ich nicht erstellen. Wie bereits erwähnt: Die Landschaft in Marokko ist ein Traum und sehr abwechslungsreich. Die Menschen sind so und so.

tbc

2 thoughts on “Marokko: Land der Gegensätze”

  1. Das ist doch super,das es euch gefallen hat ,und das ihr mit allem gut zurecht gekommen seid ,wünsche euch eine gute Fahrt,und kommt wieder gesund und munter nach Hause. Liebe Grüße. Onkel Andre.

    1. Hallo Onkel Andre,

      was für eine Überraschung, dass du uns auf unserer Internetseite „verfolgst“.
      Dankeschön 🙂 Wir geben uns Mühe wohlbehalten wieder zurückzukommen.

      Liebe Grüße
      Sandra & Frank

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert