Während ich diese Zeilen verfasse, befinden wir uns auf der vierten Überwinterung und Emma reist tapfer mit (06.02.2025). Was hatten wir uns vor der ersten Reise für Gedanken gemacht, wie es einer 13 Jahre alten Katendame gefallen wird, aus ihrer seit fünf Jahren gewohnten Umgebung herausgerissen zu werden.

Das sie uns nur als Dosenöffner betrachtet und ansonsten uns eher meidet, machte es nicht leichter. Doch Emma arrangierte sich tapfer mit der neuen Situation. Hegten wir die leise Hoffnung, dass sie nach der ersten Reise, auf so engen Raum, eine engere Bindung zu uns eingehen würde, lagen wir falsch. Emma blieb sich treu: Futter – ja, Medizin – notgedrungen, Streicheleinheiten auf dem Kopfkissen – auf jeden Fall, aber mehr auch nicht.

Die erste Reise – Winter 2021/2022


Mit jeder Reise legte Emma neue Verhaltensweisen an den Tag. Den Versuch, dass sie während der Fahrt vorne angeschnallt zwischen uns sitzt, ließen wir schnell bleiben. Emma fand das nach zwei – drei Tagen so was von besch… und wollte immer nach hinten. Wir ließen sie dann gewähren. Sobald der Motor startete, verschwand sie in ihrer Box. Das war ihre sichere Zuflucht. Nur wenn sie so gar keine Lust auf Fahren hatte, kam sie raus und meckerte.

Wenn wir unterwegs waren, kam es häufig vor, dass sie entweder auf dem Fahrer- oder Beifahrersitz saß und diesen Platz nur widerwillig räumte.

Emma genoss die Sonne
Emma genoss die Sonne
Reisekatze Emma
Reisekatze Emma


Nach der ersten Reise fing Emma an ihr Futter zu verschmähen. Irgendwann hatten wir raus, was sie mochte, und legten für die zweite Reise einen entsprechenden Vorrat an.

Die zweite Reise – Winter 2022/2023


Wir starteten routiniert in die zweite Reise. Was neu hinzu kam, waren Grenzwechsel zwischen EU und nicht-EU. Mit Haustier gleich nochmal viel spannender. Bis auf eine kleine Grenze zwischen Serbien und Kroatien, sollte sich niemand für Emma interessieren.

Emmas Zuflucht war wieder ihre Box. Motor an – Katze zieht sich in die Box zurück. Dort blieb sie eigentlich den ganzen Tag. Erst wenn wir am Übernachtungsplatz angekommen waren, kletterte sie auf die Ablagefläche zwischen Fahrer- und Beifahrersitz und schrie so lange, bis wir ihre Box auf den Fahrersitz gestellt hatten. Sie war manchmal schneller in der Box, als diese auf dem Sitz stand. Emma war glücklich.

Emma schaut wenig begeistert
Emma schaut wenig begeistert
Emma genießt die Sonne
Emma genießt die Sonne

Den von uns angelegten Futtervorrat konnten wir zur Hälfte an Streuner verschenken, weil Emma nur noch bestimmte Sorten fressen wollte. Dafür mochte sie Gyros (so nannten wir das Futter, dass wir im griechischen Supermarkt für sie kauften).

Nach der Rückkehr mussten wir wieder testen, welches Futter sie nun fressen mag und legten erfolgreich einen Vorrat für die dritte Reise an. Nur dumm, dass wenige Tage vorher eine Nieren-Insuffizienz bei ihr festgestellt wurde. In so kurzer Zeit gelang es uns nicht, sie auf Nierendiätfutter umzustellen.

Die dritte Reise – Winter 2023/2024



Während wir auf den ersten beiden Reisen keinen Durchgang zwischen der Doka und dem Koffer hatten, war dies die große Veränderung auf der dritten Reise. Ob Emma sich fragte, warum das Ding nicht schon vorher da war?

Weder das bevorratete Nicht-Nierendiätfutter, noch das Nierendiätfutter, stellte Emma zufrieden. Wer in Spanien ist, der muss Paella essen. Also gab’s für sie Futter aus einem spanischen Supermarkt. Dies stellte sie jedoch nicht immer zufrieden und so schrie sie fast jede Nacht vier-, fünf- oder sechsmal. Keine Nacht konnten wir durchschlafen.

Natürlich traten Emma auch wieder neue Verhaltensweisen auf. Die Box war während der Fahrt wieder ihr Zufluchtsort, doch sobald wir irgendwo ankamen, wollte sie nach hinten in den Koffer. Den Durchgang öffnen wir jedoch erst, wenn wir am Übernachtungsplatz ankommen. Das fand Emma nicht gut und wollte schnellstmöglich nach hinten und meckerte auch gerne den Durchgang an.

Emma will fliehen
Emma will fliehen
Emma ist - wie immer - wenig begeistert
Emma ist – wie immer – wenig begeistert


Nachdem der Durchgang geöffnet war und auch die Näpfe hinten standen, war sie zufrieden. Legte sich hinten ins Körbchen und gut war. Das sie auf der letzten Reise immer vorne in der Box auf dem Fahrersitz liegen wollte, hatte sie wohl vergessen.

Hatte sie auf den ersten beiden Reisen noch, wie zu Hause, auf meinem Kopfkissen übernachtet, so war dies nicht mehr von Interesse. Vielleicht war es auf den Kanaren auch einfach zu warm, so dass sie nachts ihre Ruhe haben wollte.

Nach unserer Rückkehr stellten wir Emma erfolgreich auf Nierendiätfutter um. Die Nacht über blieb sie ruhig. Wir konnten endlich wieder vernünftig schlafen. Mit 200 Tütchen Nierendiätfutter starteten wir dann auf unsere nächste Reise.

Die vierte Reise – Winter 2024/2025



Was würde sich Emma auf dieser Reise neues Ausdenken? Das war die große Frage. Emma sollte uns nicht enttäuschen. Die letzte Woche auf der dritten Reise, als es in Frankreich frischer war, versuchte ich sie dazu zu bewegen, sich auf meinen Schoß zu setzen. Zu Hause forderte sie es dann regelrecht ein, dass ich mich aufs Sofa legte und sie zu mir kommen konnte. Allein auf dem Sofa liegen ging gar nicht. Mein Schoß durfte nicht fehlen. Zu Emmas Freude war es ganz gut, dass ich im Sommer eine OP hatte und leider daraus resultierend noch lange Nebenwirkungen, so dass ich eh viel auf dem Sofa lag.

Und so sollte es auch auf der vierten Reise bleiben. Ob ich zu sehen war oder nicht. Emma meckerte, wenn sie auf den Schoß wollte und dieser nicht verfügbar war. Sobald sie darauf liegen konnte, trat Ruhe ein. Allerdings nur auf der hinteren Bank in der Doka. Wenn ich auf der vorderen Bank lag, war das nicht richtig.



Doch es gab noch eine Steigerung dessen. War es auf der dritten Reise von Anfang an warm, so war es bereits zum Start der vierten Reise recht frisch. Emmas Kuschelbedarf kannte plötzlich keine Grenzen. Jetzt wollte sie auch nachts kuscheln. Das Kopfkissen genügte ihr nicht. Sie wollte tatsächlich unter meine Decke. Mit Tatzenhieben und Maunzen machte sie auf sich aufmerksam. Sobald ich die Decke etwas anhob, kroch sie drunter, drehte sich und kuschelte sich an meinen Körper. Ihre Tatzen lagen auf meinem Oberarm. Wir lagen Nase an Nase. Ihre Schnurrbarthaare kitzelten mich.

Leider blieb sie so nicht die ganze Nacht liegen.  Wollte sie wieder raus und die Decke lag über ihr, machte sie mit Tatzenhieben auf sich aufmerksam. Diese Spielchen wiederholte sich in der Nacht mehrmals. Die Nächte wurden also wieder unruhiger. Aber irgendwie war es auch sehr süß, dass Emma nach fast 10 Jahren bei uns (und 17 Lebensjahren) zur Kuschelkatze wird.

Anfänglich fraß sie das Nierendiätfutter mit Begeisterung. Nur wenig blieb übrig. Gegen Weihnachten schmeckte es ihr nicht mehr und damit sie überhaupt etwas fraß, gaben wir ihr das Futter, was für die Streuner gedacht war (kleine Anmerkung: auf den Kanaren wollte sie diese Sorten irgendwann nicht fressen). Ich meinte festzustellen, dass Emma häufiger brechen musste, was vielleicht an dem Futter liegen könnte. Nicht umsonst sollte sie ihr Spezialfutter fressen. Nach mehreren vergeblichen Versuchen akzeptierte sie das Nierendiätfutter so halbwegs. Erstaunlicherweise fraß sie mehr davon, als wir ein „Betreutes Fressen“ einführten. Wir stellten den Napf in der Doka zwischen uns hin, so dass Emma von meinem Schoß aus nur einen sehr kurzen Weg zum Napf hatte und nicht nach hinten hüpfen musste. Dies nahm sie auch sehr gut an. Die Nächte wurden etwas ruhiger, aber komplett still blieb sie nicht.

Grundsätzlich hatten wir schon zu Anfang auf der vierten Reise den Eindruck, dass Emma viel agiler ist als auf der Reise zuvor. Sie verkroch sich nicht mehr im Koffer, sondern blieb vorne in der Doka. Weiterhin war es ihr erstes Verlangen, nach dem wir irgendwo angekommen war, einmal nach hinten in den Koffer zu hüpfen. Nachdem auch die Näpfe hinten waren und sie etwas gefressen und getrunken hatte, kam sie wieder nach vorne. Dort verkroch sie sich nur manchmal in ihre Box. Stattdessen lag sie auf der Kuscheldecke oder forderte meinen Schoß ein. Auch der Beifahrersitz wurde von ihr als Liegeplatz auserkoren. Wir legten extra ein Kissen darauf, damit es noch etwas weicher ist. Insbesondere wenn die Sonne schien, lag sie gerne dort. Aber auch ohne Sonne zog sie sich gerne dorthin zurück, wenn sie gerade keinen Kuschelbedarf hatte.


Besonders am Morgen setzte Emma sich gerne in die Sonne. Egal wo, Hauptsache die ersten wärmenden Strahlen einfangen. Ich konnte dies gut nachvollziehen. Sie saß vorne zwischen den Sitzen, auf der „Schnupplade“ oder auf ihrer Box. Sie genoss es, wenn die Sonnenstrahlen ihre Nasenspítze wärmten.

Im Laufe der Zeit auf Kreta saß Emma auch immer häufiger auf einem der Vordersitze, wenn wir unterwegs waren. Nur unfreiwillig machte sie Platz, wenn wir weiterfahren wollten. Wie dreist von uns, sie beim Schlafen zu stören. Das hatte sie sonst nur auf der ersten Reise gemacht.

Auslauf



Das Glück mit einer alten Katze zu reisen ist es, dass sie wenig Entdeckerdrang hat und Allmo als ihren Zufluchtspunkt sieht. Somit müssen wir uns keine Sorgen machen, dass sie aus dem Fahrzeug springt, wenn wir die Türen offenstehen haben. (was wir eh vermeiden, damit wir keine Fliegen fangen).

Damit Emma während des Reisens dennoch ein wenig Bewegung bekommt, musste sie mit uns an der Leine spazieren gehen bzw. wir mit ihr. So ein Katzenkopf ist ganz schön Eigen und nicht immer ergaben die von ihr gewählten Wege einen Sinn. Egal, wie blöd es aussah, dass wir unkoordiniert mit ihr durch die Gegend liefen. Hauptsache sie konnte sich ein wenig die Pfoten vertreten. Mehr oder minder regelmäßig gehen wir mit Emma spazieren. Wenn wir sie in den Body stecken ist sie wenig begeistert, aber es ist dann doch ganz süß, wie sie an der Leine läuft.

Emma in den Dünen
Emma in den Dünen
mit Emma am Platja Llarga
mit Emma am Platja Llarga


Nicht nur Allmo ist also ein Hingucker, sondern Emma auch. Wobei wir insbesondere auf der vierten Reise doch einige andere Camper sahen, die mit Katzen unterwegs waren. Wenn wir darauf angesprochen werden, wie es der Katze gefällt so zu reisen und ob sie nicht wegläuft, sage ich immer, dass sie schon alt ist und das Fahrzeug als ihr Gefängnis akzeptiert.

Das mag böse klingen, aber im Grunde ist es so. Um mit ihr spazieren zu gehen, müssen wir sie zunächst von Allmo wegtragen. Wenn wir sie direkt vor ihm abstellen, geht der Blick sofort zur Tür und sie will wieder hinein in ihren Zufluchtsort.




Wenn wir sie wegtragen dauert es dann eine Weile, bis sie den richtigen Weg zurück einschlägt. Aber wenn sie einmal geblickt hat, dass das rote Ding da, ihr Allmo ist, dann läuft sie schnurstracks darauf zu. Aus dem Stand schafft Emma es nicht mehr hochzuspringen, aber mit Hilfe eines Höckerchens schafft sie es ohne Hilfe hinein. Dazu nehmen wir ihr vorher den Body ab, damit sie sich freier fühlt.

Emma will zurück in die Doka
Emma will zurück in die Doka

Grundsätzlich versuchen wir nur mit ihr spazieren zu gehen, wenn keine anderen Menschen und insbesondere keine anderen Tiere in der Nähe sind. Auf offenen Flächen darf sie sich auch schonmal ohne Leine bewegen. Wobei ich da immer leichte Bedenken habe. Frank ist diesbezüglich etwas entspannter.


Wenn das Höckerchen nicht schnell genug bereitsteht oder die Tür nicht offen ist, maunzt sie so lange unter Allmo, bis wir ein Einsehen haben und ihr alles zum Reinspringen bereitstellen.

Was dann geschah



Bis hierhin hatte ich am 6. Februar 2025 über Emmas Verhaltensweisen geschrieben. Irgendwas hielt mich davon ab, den Bericht damals zu veröffentlichen. Es war ja eine Chronologie über ihre unterschiedlichen Verhaltensweisen während unserer gemeinsamen Reisen. Eine Veröffentlichung hätte sich so endlich angefühlt, als wenn es keine weiteren Reisen mit Emma geben würde. Und dabei wollten wir noch so viel mit ihr gemeinsam Erleben. Zu dem Zeitpunkt vor fast einem Jahr konnten wir nicht wissen, dass das die letzte vollständige Reise mit ihr werden würde.

Als wir von der 4. Reise zurückgekehrt waren, wurde bei Emma im April 2025 zusätzlich zu der Schilddrüsenerkrankung und der Niereninsuffizienz auch noch eine Blutarmut festgestellt. Dies ist eine Folge der Niereninsuffizienz. Emmas roten Blutkörperchen bzw. deren Blutwerte waren sehr schlecht. Auch die Schilddrüse war schlecht eingestellt und musste im Sommer und vor der Reise nochmal kontrolliert werden.

Den Sommer über forderte Emma zu Hause immer meinen Schoß ein. Manchmal stand sie bereits morgens um 8:30 Uhr vor dem Sofa und wollte, dass ich es mir mit ihr gemütlich machte. Manchmal kam sie erst abends, um zu kuscheln. Die Nächte verbrachte sie in meinem Arm, Nase an Nase.

Die fünfte Reise – Winter 2025/2026



Wir starteten Mitte September 2025 zu dritt in unsere 5. Reise. Vier Wochen später reisten Frank und ich allein weiter. Wie es zu Emmas plötzlichem Tod kam, findet ihr in dem Tagesbericht. https://allmos-adventures.com/spanien-emmas-letzte-reise/

Drei Monate und 12 Tage ist es nun her, dass Emma nicht mehr bei uns ist. Es ist an der Zeit, diesen Bericht zu veröffentlichen. Doch das Schreiben darüber und die vielen Gedanken lassen bei mir die Tränen kullern. Frank sitzt neben mir, schaut einen Film und bekommt nichts von meinem Gefühlschaos mit. Ich weine still vor mir her. Er hat immer versucht mich zu trösten, mir eine Stütze zu sein, mich an die schönen Momente mit Emma zu erinnern. Und dennoch ist und bleibt es so schwer mit dem Verlust zurecht zu kommen.

Reisekatze Emma
Reisekatze Emma
Emma ist begeistert
Emma ist begeistert

tbc

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