
Nachdem wir die Piste RR118 hinter uns gelassen hatten und erreichten Tan-Tan zügig über die N1. Schilder warnten vor Sandverwehungen, Nebel und Wind. Doch nichts davon war heute zu sehen. Im Kreisverkehr mit den Kamelen (Les Chameaux) bogen wir auf die Umgehungsstraße ab, die uns um Tan-Tan herum und weiter zum Cap Oued Draa führte.
Zu unserer linken befand sich eine kreisförmige Bahn. Zunächst dachte ich an eine Trab- oder Galopprennbahn und dann fiel mir die richtige Nutzung ein: eine Dromedar-Rennbahn. Alles andere ergibt keinen Sinn.
Hinter Tan-Tan bogen wir auf die P1603 ab, die uns zum Cap Oued Draa brachte. Wären wir über die Piste oberhalb Plage Blanche gefahren, wären wir auf der gegenüberliegenden Flussseite ausgekommen.
Entlang des Oued/Wadi Draa befanden sich alle paar hundert Meter kleine Wachttürme.
Irgendwas sollte da an der Mündung des Fluss Draa in den Atlantik entstehen. Es wurde ein geschotterter Parkplatz angelegt. Es gibt Straßenlaternen und einen Fluchtlichtscheinwerfer. Zwei Wege hinunter in Richtung Strand wurden angelegt, allerdings nicht vollendet. Drei Picknickbänke / -tische, mit Blick auf das Meer und die Flussmündung laden mehr oder weniger zum Verweilen ein.
Anstatt dem angelegten, aber nicht vollendeten Weg weiter zu folgen, kletterten wir über die Begrenzungsmauer und wählten somit den kürzeren Weg, über ein paar Dünen, an den Strand. Außer uns waren noch drei junge Männer mit ihren Mopeds am Strand bzw. befanden die sich bei der Flussmündung.
Mit unserer Picknickdecke machten wir es uns direkt am Meer gemütlich. Der Versuch ein wenig Schlaf nachzuholen scheiterte. So auf Kommando klappt das mit dem Einschlafen dann doch nicht.
Mit der Flut wurden viele Muscheln an den Strand gespült und wir sammelten ein paar. Eigentlich hatten wir damit aufgehört, weil man doch nichts damit macht. Aber irgendwas trieb uns heute dazu an. Vielleicht war es auch wieder diese Wehmut. Emma hätte den Strand toll gefunden. Keine Hunde, kaum Menschen, so gut wie kein Wind. Sie hätte sich nach dem Strandspaziergang bestimmt wieder in unseren Rucksack gelegt. Bei all diesen Gedanken flossen bei mir natürlich wieder die Tränen. Kein Wunder, dass ich auch in solchen Momenten nicht entspannen kann.
Viele Möwen befanden sich an der Mündung zum Wadi Draa. Ihnen scheint es dort zu gefallen. Uns auch. Doch leider darf man auf dem Parkplatz nicht übernachten. Das Militär kontrolliert das Gebiet und spätestens gegen 19 Uhr klopft jemand an die Tür und schickt einen weg.
In 100 bis 120 Kilometern gibt’s Plätze am Meer, auf denen das Übernachten toleriert wird. Campingplätze bzw. kostenpflichtige Stellplätze gibt es auch schon vorher. Doch das wollen wir nicht. Also mussten wir in den sauren Apfel beißen und fuhren gegen 16 Uhr weiter. Eigentlich ist das eine Zeit, zu der wir sonst schon angekommen sind und Feierabend haben. Aber die zwei Stunden am Meer mussten sein und waren eigentlich noch viel zu kurz.
Die R120 führte uns durch eine Landschaft mit kleinen Dünen, die teilweise auf die einspurige Fahrbahn ragten. Das war schon ein wenig surreal. Zum Meer hin gingen immer wieder Stichstraßen ab, die auf irgendwelche Kompanien der Armee hinwiesen. Auf einem der Schilder war ein Panzer abgebildet.
Bei Tan-Tan Plage (El Ouatia) trafen wir wieder auf die N1. Die ins Auge gefassten Stellplätze am Meer, neben der N1, verwarfen wir irgendwann. Es war einfach schon zu spät. Also bogen wir auf halbem Weg, hinter dem Oued Chbika, in Richtung der Berge ab. Nach vielleicht drei oder vier Kilometern auf der Piste gings den Hügel hinunter. Direkt dahinter suchten wir uns einen Übernachtungsplatz. Von der Straße waren wir nicht mehr zu sehen und noch weiter über die Piste fahren hätte vermutlich nicht viel geändert.
Jetzt war es trocken und es soll auch nicht regnen. Ansonsten wäre der Stellplatz wohl weniger ideal. Der Boden ist lehmig und man kann deutlich Furchen erkennen, die bei Regen reingefahren wurden. Auch jetzt sind Allmos Reifenabdrücke deutlich auf dem lehmigen Boden zu sehen. Und je nach dem, wo ich laufe, gibt sogar der Boden etwas nach.
Die Sonne stand schon tief und wir machten uns sofort an die Zubereitung des Abendessens. Es gab Chicken-Burger mit Käse, Tomaten und Zwiebeln. Lecker war’s Und die komischen Brötchen, die wir bei Marjane gekauft hatten, schmeckten in der Form weniger schlimm als zum Frühstück.
Samstag, 20. Dezember 2025
Kein Pieps war am Abend bzw. anfänglich in der Nacht zu hören. Irgendwann wurde ich in der Nacht wach. Was war das? Meeresrauschen? So weit weg vom Meer (vielleicht 5 km)? Eine andere Erklärung gab es nicht. Wie gut, dass wir nicht direkt am Wasser standen. Dort muss es unfassbar laut gewesen sein.
Allmo war am Morgen mit einer feuchten Schicht überzogen. Ob die Luft in der Nacht so stark kondensiert hatte? Oder war es Meereswasser, was durch den Wind bis zu uns geweht wurde? Vermutlich letzteres.
Die Sonne schaffte es erst gegen halb 10 Uhr durch die Wolken und an unserem Platz wurde es direkt warm. Wir standen windgeschützt. Bei der Weiterfahrt merkten wir schnell, dass es doch sehr windig ist.
Auf einem großen, aber leeren LKW-Parkplatz neben der N1, stoppten wir, um unseren Reifendruck auf Straßendruck zu erhöhen. Pisten sind keine mehr geplant. Der Boden des Rastplatzes war pitschnass. So als hätte es geregnet. Also doch die Gischt des Meers. An der Stelle war der Atlantik zum Greifen nah.
Tbc














































































































































































































































































































































































































