
Eins vorweggeschickt: Diesen Text habe ich am 30.10.2025 verfasst. Zu dem Zeitpunkt waren wir erst eine Woche in Marokko.
Könnt ihr euch noch daran erinnern, als ihr Kinder wart, eure Eltern Gäste eingeladen hatten und ihr von dem ein oder anderem Besucher eine Tafel Schokolade oder 1 Mark (ja, ich bin so alt, dass es in meiner Kindheit noch die Deutsche Mark gab) geschenkt bekommen habt? Nicht von jedem Gast bekam ich was zugesteckt und auch nicht immer. Und irgendwann hörte es ganz auf. Doch die Erwartungshaltung war natürlich da.
Wenn man einmal „angefüttert“ wird, merkt sich das Hirn das und erwartet es beim nächsten Mal auch. Bekommt man dann nichts ist man verwirrt, enttäuscht/traurig und im schlimmsten Fall wütend. Warum habe ich diesmal nichts bekommen, wenn ich doch sonst immer was kriege?
So oder ähnlich ist es mit der Erwartungshaltung mancher Menschen in Marokko.
Warum bekomme ich keinen Luftballon, keinen Stift, keinen Block, keine Schuhe, keinen Pulli oder wenigstens ein paar Dirham?
Einmal „angefüttert“ ist die Erwartungshaltung sehr groß, dass jeder Tourist mit Geschenken durch die Gegend fährt und nur darauf wartet, diese unter die Leute zu bringen. Diejenigen, die damit irgendwann angefangen haben großzügig ihre Sachen unters Volk zu bringen, gehören geteert und gefedert.
Der Schaden ist angerichtet. Jeder Tourist wird als Geschenkeonkel/-tante gesehen. Schließlich fahren wir mit einem Fahrzeug durch das Land in dem viel Platz für das ganze Sortiment eines „Gemischtwarenladen“ vorhanden ist.
Auch das Angebot Tee zu trinken, ist super. Danach würden dann die Gegenleistungen gefordert werden. Was sich erstmal nett anhört, endet in einer penetranten Bettelei. So weit ließen wir es gar nicht erst kommen. Blockten alles ab.
Wir sind erst eine Woche in Marokko und schon sehr genervt von dieser sehr aufdringlichen Bettelei. Dabei müssen wir versuchen, uns an den netten Kontakten zu erfreuen und die weniger netten schnell auszublenden.
Außerdem müssen wir darauf achten, den Menschen weiterhin offen und unvoreingenommen entgegenzutreten. Denn die meisten sind dann doch einfach nur nett und wollen nichts von einem.
Das waren also unsere ersten Eindrücke nach nur 7 Tagen.
Doch wie kam es zu diesen kritischen und harten Worten? Bereits an Tag 3 war ein bek… in Chefchaouen übers Heck auf unser Dach geklettert, am Kreisverkehr bettelten die ersten Kinder „One Dirham for Parking“ und ein paar Tage später im Jaffar wurde es noch schlimmer. Hirten, Berberfrauen, Kinder. Alle wollten was. Ich war genervt, mehr als genervt und die guten Eindrücke der ersten Tage (freundlich winkende Menschen am Straßenrand) waren dahin.
Im Laufe der weiteren Reise wurden wir immer wieder angebettelt. Insbesondere Kinder rannten wie die Irren zur Straße. Klar, wir sind mit unserem Fahrzeug schon von Weitem als Tourist zu erkennen und somit als reicher Geschenke-Onkel. Wir hielten nie an, fuhren langsam weiter, lächelten und winkten. Passten auf, dass niemand unter die Räder geriet. Auch wenn uns klar war, dass das nicht das war, was die Kinder mit ihrem Mitleids-Blicken eigentlich wollten. Denn die Forderungen waren klar: Stylo, Ballon, Dirham oder etwas zu trinken (natürlich Cola, Fanta, kein Wasser).
Wir erfuhren, dass dieses Verhalten durch Spanier und Franzosen „gefördert“ wurde, die mit ihren kleinen Geländewagen in Gruppen durch Marokko düsten und meinten Geld, Stifte etc. regelrecht zum Fenster hinauswerfen zu müssen. Schließlich tut man den Menschen damit etwas Gutes. Nein! Das ist falsch. Es provoziert ein Verhalten, unter dem nun alle Touristen, die mit ihren eigenen Fahrzeug in Marokko unterwegs sind, leiden müssen. Bei Leihwagen-Touristen gibt es dieses Phänomen der Bettelei nicht, weil sie erstmal nicht als Tourist erkannt werden.
Manch einer mag es toll finden, sich als „Geschenke-Onkel“ aufspielen zu können. Und ich weiß von anderen Reisenden, dass sie Kleidung mitgenommen und verschenkt haben. Eine Dame erzählte mir unterwegs, dass sie den Kindern nur was schenkt, wenn sie was tun. Und wie sah das „was tun“ aus? „Ich frage sie nach ihrem Namen und dann bekommen sie etwas.“ Super! Applaus!
Es gibt so einen typischen Mitleids-Blick. Wer in Marokko war, der kennt diesen bestimmt. Die Mundwinkel stark nach unten gezogen und ganz ganz traurig schauen. Die ältere Generation hat diesen typischen Kinder-Mitleids-Blick nicht drauf. Bei den jungen Erwachsenen kann man jedoch diesen typischen „Mir-geht’s-so-schlecht-Blick“ erkennen. Über die letzten Jahre antrainiert sitzt er perfekt, sobald das Touristen-Fahrzeug ins Blickfeld kommt. Darauf fielen wir nicht herein.
Aber wir wurden nicht nur von Kindern angebettelt, sondern auch an entlegenen Plätzen oder an der Piste von Hirten. Diese fragten natürlich nicht nach Stiften oder Ballons, sondern nach Kleidung, Schuhe, Zigaretten, Bier, Aspirin. Sogar Hautcreme und Handschuhe waren mit dabei. Eigentlich alles, von dem ich vorher auch gelesen hatte. Marokko verdiente sich damit eine 1 Plus mit Sternchen. Alle Klischees wurden bedient.
Bei jedem, der in unsere Richtung kam war direkt der Gedanke „Was will der jetzt schon wieder?“ und dann gibt’s die, die nur fragen „wie geht’s“ und „wohin fährst du“, ohne zu betteln. Ein Hirte wollte, dass wir sein Handy aufladen, und ließ uns mit dem Handy allein und ritt zurück zu seiner Herde. Drei Jungs mit ihren Rädern benötigten Luft. Es gab sie also auch die netten, unkomplizierten Kontakte ohne große Forderungen, ohne penetrantes Betteln.
Wir müssen nicht mit Dankbarkeit und „Geschenken“ überhäuft werden, weil wir in einem Land als Touristen unterwegs sind. Wir wollen einfach in Ruhe gelassen werden. Auch wenn es zur Mentalität des Landes gehört zu teilen (Tee, Brot, …), so war die Bettelei gegenüber uns einfach nur drüber. Natürlich kann es auch an uns liegen, dass wir das so kritisch und nicht offen genug sind, um uns auf Land und Leute einzulassen.
Doch so ein penetrantes Betteln nervt. Und in Dörfern/Städten immer die Frage „wie geht’s“, „wo kommst du her“, „erstes Mal in Marokko“, nur als Einstieg um uns dann etwas aufzuquatschen. Wir wollen keinen Teppich, nichts bei einer Kooperative kaufen. Wir wollen einfach nur in Ruhe die Gegend erkunden.
Wer uns nicht kennt, dem sei hier gesagt, dass wir vor unseren Reisen mit Allmo mehrmals als Backpacker in Südostasien unterwegs waren. Wir sind als Selbstfahrer durch Uganda gefahren. Nirgends wurden wir so extrem angebettelt, wie in Marokko.
Obwohl ich ein wenig auf diese Bettelei vorbereitet war, überraschte mich diese Masse und Penetranz dann doch. Wir lernten mit der Zeit damit umzugehen, doch der Nerv-Faktor blieb. An der Küste nahm dieses Verhalten ab, da kam dann der „Ärger“ mit dem Nicht-Übernachten-dürfen dazu.
Dieser Bericht soll nicht abschreckend wirken. Er soll auf das Vorbereiten, was geschehen kann. Marokko ist ein schönes Reiseland, man muss nur mit den Verhaltensweisen mancher Leute umzugehen wissen. Es bringt ja nichts, alles schön zu reden. So haben wir es erlebt und empfunden und das teilen wir an dieser Stelle.
Tbc














































































































































































































































































































































































































