Ein Blick auf das Wetter zeigte, dass die nächsten drei Tage schön werden sollen. Doch zum Ende der Woche soll es damit auch schon wieder vorbei sein. Das nächste Tiefdruckgebiet ist im Anmarsch. Eigentlich wäre heute der ideale Tag gewesen, um am Meer zu stehen. Doch wir fuhren bis nördlich von Tan-Tan zum Wadi Draa.


Zum einen umgehen wir damit das Risiko am Meer vom Militär weggeschickt zu werden (wobei es nördlich von Akhfenir eigentlich möglich sein sollte), zum anderen müssen wir endlich den Führerschein und die Fahrzeugpapiere loswerden, die wir vor 12 Tagen am Plage Blanche gefunden haben.



Die Ruine des Kasbah Tafnidilt war das auserkorene Übernachtungsziel. Doch recht bald, nachdem wir die N1 verlassen hatten, kam eine Engstelle. Links ein störrisches Gestrüpp, an dem schon Äste abgebrochen waren. Rechts ein Wall aus Matsch. Dazwischen eine Fahrspur, die zwar von der Breite gepasst hätte, aber nicht mit dem Gestrüpp, das in den Weg ragte. Dahinter das Wadi Draa. Die Fahrspur durch das Wadi wäre trocken gewesen, doch zu beiden Seiten ist der Boden feucht und hat Kunstwerke aus Erde und Wasser geschaffen.

Wir (oder vielmehr ich) entschieden uns für den Rückwärtsgang. Wer weiß, wie viele Kampfspuren Allmo davongetragen hätte. Das war es nicht wert. Zumal der Rückweg morgen auch durch diese Engstelle geführt hätte.



Stattdessen parkten wir auf einer Fläche vor dem Wadi und neben einem Mini-Canyon. Im laufe des restlichen Nachmittags (wir waren erst um kurz vor 16 Uhr angekommen) fuhren erst eine Gruppe von fünf kleinen Geländewagen in Richtung Straße und später fuhren zwei kleine Geländewagen in die Gegenrichtung. Ein paar Einheimische mit Mopeds holperten über die Strecke und auch ein paar einheimische Geländewagen passierten die Engstelle. Die sind ja auch alle deutlich flacher als wir. Ein Camper-Van stellte sich auf die andere Seite der Piste.

Unser Abendessen bestand aus Chicken Nuggets (noch aus Deutschland) und Krautsalat. Wir genossen noch ein wenig die letzten Sonnenstrahlen, bevor wir uns in Allmo verkrochen.

Am Abend plötzlich ein Wackeln. Was war das? Ein Erdbeben? Zerfällt der Boden unter uns? Ein Blick aus dem Fenster zeigte schemenhafte Gestalten. Sie murmelten vor sich hin:
Was ist das für ein großes rotes Ding? Heute Morgen war es noch nicht da. Was macht es auf unserem Land? Sollen wir es ins Wadi schubsen? Ich habe dran gerüttelt, es schwankt nur ein bisschen, hat sich aber nicht vorwärts bewegt. Ach kommt, wir ziehen weiter.
Und die sieben Dromedare, die uns kritisch beäugt hatten, machten sich auf den Weg.

Dienstag, 30. Dezember 2025

In der Nacht kämpften wir mit Moskitos, die sich in Scharen über uns her machten. Ein Plat zan einem Wadi mit Wasserlachen ist die ideale Brutstätte. Ob sie den Weg zu uns gefunden hatten, als zum Zähneputzen das Licht an war? Frank holte die Moskitolampe von vorne. Ab und an rochen wir, dass etwas schmorte, doch das Summen hörte nicht auf. Geschlafen hatten wir kaum. Es war warm. Es summte. Was für eine Nacht. Am Morgen erledigten wir 20 – 30 Moskitos. Der Rest wurde mit Spray bekämpft. In der Lampe befanden sich 11 Leichen.

Am Morgen: Bodennebel. Im Grauschleier waren zwei Dromedare auf der anderen Seite des Wadis zu erkennen. Sie frühstückten.



Wir fuhren nach unserem Frühstück weiter. Um 12 Uhr waren wir in Guelmim am Marjane Market zur Übergabe der Dokumente verabredet, die wir vor fast zwei Wochen am Plage Blanche gefunden hatten. Der Bodennebel begleitete uns noch ein paar Kilometer. Dann fuhren wir über einen Hügel und ließen den Nebel hinter uns. Vor uns lag strahlender Sonnenschein.

Wir waren gegen 11 Uhr in Guelmim, tankten, wie beim letzten Mal, an der Shell-Tankstelle zu normalen marokkanischen Preisen. Allerdings war der Diesel etwas günstiger als vor zwei Wochen.

Gegen 12 Uhr, als wir mit unseren Einkäufen den Marjane verließen, hatte ich eine Nachricht von dem jungen Mann, mit dem wir verabredet waren. Lustig, er hatte nur ein „Hi“ geschrieben. Ich antwortete, dass wir am Marjane wären. Fünfzehn Minuten später kam die Antwort, dass er jetzt losfahren würde und 30 Minuten benötigt. Okay. So viel dazu, dass wir um 12 Uhr verabredet waren. Hätte ich ihm mal geschrieben, bevor wir in den Laden gegangen sind. Aber was soll’s. Wir haben keine Termine (außer mit dem Meer und Strand) und so warteten wir. Wir unterhielten uns noch mit einem Mann, der auf seinem Van ein Kennzeichen aus unserem Nachbarkreis hatte.

Dann kam auch schon ein Moped mit zwei jungen Männern angefahren und ich konnte die Dokumente übergeben. Wie ich vermutet hatte, nutzte der junge Mann G. Übersetzter, um mit mir zu schreiben. Ansonsten sprach er kein Wort englisch. Ich zeigte ihm das Foto, wie die Mappe mit seinen Papieren am Strand gelegen hatte. Er bedankte sich und schwupp brauste sein Kumpel mit ihm davon.



Wir setzten danach auch unseren Weg mit Kurs auf die Küste fort.

Tbc

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