
Die R109 von Tarfaya nach Laayoune ist nur zweispurig ausgebaut und verläuft mit Blick aufs Meer. Die N1, die bisher vierspurig war, befindet sich ab Tarfaya ein wenig versetzt im Landesinneren. Warum uns auf der schmalen Straße am Meer so viele 40 Tonner entgegen kamen, verstanden wir nicht. Warum nehmen die nicht die breitere Straße? Meiner Meinung nach sollte es auf der Küstenstraße ein Fahrverbot für die ganz schweren LKWs geben.
Wir fuhren und fuhren. Rechts das Meer war mal zum Greifen nah und manchmal etwas weiter weg. Ungefähr jeden Kilometer stand ein kleines Gebäude des Militärs am Meer. Die Küste wird streng bewacht. Daher war es auch keine Option dort irgendwo anzuhalten (was wohl okay gewesen wäre), geschweige denn dort zu übernachten.
Und dann passierte es ganz still und heimlich: Wir überfuhren die nicht vorhandene Grenze zur Westsahara. Was von Marokko nicht als eigenes Land, sondern als Staatsgebiet betrachtet wird, hat natürlich auch keinen Grenzstein und kein sonstiges Schild.
Dünen ragten aus der Landschaft empor und wir bogen vor dem eigentlich herausgesuchten Punkt in Richtung Sand ab. Kleine Dünen und Flächen mit vielen Steinen wechselten sich ab. Eine richtige Spur gab es nicht. Wir suchten uns einen Platz an einer Düne. Nicht weit von der Straße weg und auch sichtbar. Mal sehen, ob irgendwer uns dort besuchen kommt oder uns zu irgendeiner Uhrzeit noch wegschickt.
Im Windschatten von Allmo ließ es sich gut aushalten. Die Sonne schien. Nur Schade, dass wir so nah am Meer sind und dann doch so weit weg.
Zum Abendessen bereitete Frank uns heute Spiegeleier-Tomaten-Zwiebel-Toast zu. Zu lange wollten wir die hiesigen Eier nicht mit uns herumfahren. Und so war das Abendessen einfach und schnell zubereitet.
Die Sonne versank im Meer bzw. hinter den Dünen.
Gegen 20 Uhr, Frank telefonierte gerade, sah ich hell leuchtende Blitze auf der Düne vor uns. Ein Blick nach draußen verriet mir, dass mehrere Taschenlampen auf uns zu kamen. Es klopfte niemand und Frank meinte nachher nur, dass er mehrfach ein „Bonjour“ gehört hätte, aber weil er telefonierte und sich sonst nichts tat, waren die Leute wieder gegangen. Ob es Leute vom Militär waren, die uns kontrollieren wollten? Wir wissen es nicht. Sie hätten ja klopfen können, anstatt einfach nur „Bonjour“ zu rufen.
Neben der Straße bzw. an der Küstenlinie sahen wir im Dunklen immer wieder den Strahl von Taschenlampen aufblitzen. Ob tatsächlich so viel „Gefahr“ vom Meer droht, dass die Küstenlinie so akribisch überwacht wird?
Gegen 22 Uhr drehte der Wind auf und rüttelte an Allmo. Minuten später setzte Regen ein. Kurz drauf gingen wir ins Bett. Frank stellte fest, dass sich ein wenig Wasser in der Schiene befand, in der wir das lange Teil vom Dachzelt einrollen. Wie gut, dass wir einen Aufnehmer an Bord haben. Zudem war diese große Fläche des Dachzelts an zwei Stellen feucht. Zu Hause hatte ich nur das Vorzelt imprägniert, was Frank vor ein paar Tagen zerschnitten hatte. Was lernen wir daraus? Bei Regen sollten wir definitiv nicht mehr im Dachzelt schlafen.
Montag, 22. Dezember 2025
Ich war gerade dabei einzuschlafen, als ein Klopfen uns halb bzw. ganz weckte. Wer bitte kommt um halb 12 Uhr noch auf die Idee uns zu kontrollieren? Ich war wenig begeistert, aber es half nichts. Das freundliche „Ca va“? hätten die beiden Herren, die neben Allmo standen sich auch sparen können. Warum hatten die es vorhin nicht geschafft zu klopfen? Sie wollten wissen welche Nationalität wir haben und unsere Pässe sehen. Einen Fiche reichte ich auch noch durch’s Fenster. Aber den wollten sie eigentlich nicht haben. Der eine fotografierte unsere Pässe und den Einreisestempel. Der andere musste leuchten. Frank hatte auch Allmos Seitenlicht angeschaltet.
Die Fotos mussten dann wohl irgendwie übermittelt werden, wozu der eine Herr auf die Sanddüne neben uns laufen musste, damit er Empfang hatte. Dem anderen versuchte ich zu entlocken, ob sie vom Militär sind. Denn so ganz sahen sie nicht danach aus und schließlich könnte jeder kommen und nach unseren Pässen fragen.
Als er sich umdrehte sah ich „Forces Auxiliaires“ auf seinem Cape stehen. Diese übernehmen unterstützende Tätigkeiten für andere Sicherheitskräfte, z. B. bei der Einhaltung der öffentlichen Ordnung bspw. Bei Demos und großen Veranstaltungen. Sie überwachen aber auch Grenzen und sensible Gebiete.
Der Herr, der auf die Düne gestiegen war, war in zivil gekleidet. Als er mir die Pässe zurückgab, sagte er, dass er von einer lokalen Behörde kommt. Wäre das nicht etwas gewesen, was er zuerst hätte sagen müssen und nicht zum Schluss? Sie wünschten uns noch eine gute Nacht. Danke gleichfalls.
Weil ich ja eh immer sofort einschlafen kann und mich kalte Füße nicht am Schlafen hindern und solche Sachen mich auch gar nicht nerven, schlief ich natürlich sofort wieder ein. …. Alles Quatsch! Ich lag noch lange wach, traute mich aber nicht auf die Uhr zu schauen. Der Wind hatte nachgelassen und die Motorengeräusche der Straße waren sehr gut zu hören. Irgendwann schlief ich tatsächlich ein und als ich wach wurde war es bereits 7:15 Uhr. Minuten später war er wieder da: Der Wind und Sekunden nach der ersten Böe regnete es auch schon.
Wind und Regen verzogen sich wieder und der Tag startete etwas freundlicher als der Gestrige. Die Sonne musste erst noch über die Düne vor uns kommen, die in etwa so hoch wie Allmo war.
Wir blieben noch ein wenig und holperten dann über die steinige Fläche mit den kleinen Dünen zurück zur Straße.
Tbc














































































































































































































































































































































































































