
Die felsige Bucht des Plage Tibojaaratin sah interessant aus. Hier hätten wir auch gut den Tag verbringen können, ganz ohne Wind am Meer. Ein paar wenige Angler und Badegäste waren in der Bucht. Wir begannen direkt zu kochen. Es war bereits nach 17 Uhr und die Tajine benötigt etwas Zeit. Zur Gemüse-Tajine gab es Truthahn-Filet (noch aus Spanien).
Frank bekam von drei Männern, die aus Rabat kamen und hier ein paar Tage Urlaub machten, Fisch angeboten. Vermutlich hätten sie uns diesen geschenkt. Aber er lehnte dankend ab. Fische gehören immer noch ins Wasser.
Gespannt warteten wir auf den Sonnenuntergang und ob uns jemand wegschickt. Doch es tat sich (erstmal) nichts. Trotz Wind und er möglichen Gefahr weggeschickt zu werden, hatte Frank das Dachzelt aufgebaut. Wobei wir genau richtig im Wind standen.
Und dann war es gegen 20:30 Uhr soweit. Frank war gerade draußen, um die Reste vom Abendessen als Chips-Ersatz aus dem Kühlschrank zu holen. Ich sah Taschenlampen aufblitzen. Zwei Herren vom Militär kamen zu Fuß zu uns. Sie wollten wissen, ob wir die Nacht hier verbringen wollen. Und wir fragten direkt, ob es in Ordnung wäre. Nur eine Nacht und morgen geht es weiter. Es kam direkt ein, ist in Ordnung.
Unsere Pässe wollten sie natürlich sehen und einer schaute sich diese kurz an (kein Foto, kein Fiche). Über’s Telefon und über Funk nahmen sie Kontakt zu irgendwem auf. Das Wort „Caravan“ und „Germany“ verstanden wir. Während wir auf „grünes Licht“ von einer höheren Stelle warteten, bekam der junge Hund, der die beiden begleitete Trockenfutter und auch eine Dose Nassfutter. Frank brachte in Erfahrung, dass die beiden einen Küstenabschnitt von drei Kilometern kontrollieren, der an dieser Stelle endet. Alles eine positive Rückmeldung kam, wünschten die beiden uns eine gute Nacht. Wir bedankten uns mit Merci und Shukran (die andere Zeit hatten wir uns auf Englisch unterhalten). Es geht also doch, dass man am Meer stehen darf.
Vielleicht hatten wir gestern Abend auch einfach nur Pech, weil die vier – fünf marokkanischen Pkws und das Feuer zu viel waren. An der einen Stelle, wo wir mit einer Taschenlampe angeleuchtet wurden, hatten wir ja nicht gefragt, ob wir dort hätten übernachten dürfen. Auch nach fast 2,5 Monaten in Marokko erleben wir immer wieder Neues. Es wird nicht langweilig.
Womit wir nicht gerechnet hatten, war ein Froschkonzert, welches draußen stattfand.
Freitag, 2. Januar 2026
Gegen Mitternacht hörte es sich so an, als würden Regentropfen auf unser Dach fallen. Das war fast 20 Stunden früher als gemeldet. Frank klappte unser Dach einfach zu und fuhr das Hubdach hoch.
Zwischen 2 und 3 Uhr frischte der Wind auf. So war es leider auch gemeldet. An Schlaf war kaum noch zu denken. Ein paar Stunden später zogen wir in die Doka um. Dort war es etwas ruhiger als hinten im Koffer. Wir sehnten dem Sonnenaufgang entgegen. Endlich begann der neue Tag.
Tatsächlich schaffte die Sonne es ein wenig durch die Wolken hindurchzublinzeln. Vom Meer näherten sich dunkle Wolken, doch es blieb trocken. Wir unternahmen noch einen kurzen Spaziergang zum Strand hinunter. Was für eine schöne und interessante Bucht. Beim Abstieg sahen wir, dass es einen Frischwasserzulauf gab, was das Froschkonzert erklärte. Auch Tauben erfreuten sich an dem frischen Wasser. Ob auch diejenige dabei war, die mir abends einen Schreck eingejagt hatte?
Wir erkundeten die Bucht am Plage Tibojaaratin, mit ihren violetten und schwarzen Felsen. Ein wenig sah es aus, als wäre du Bucht aus Lava entstanden. Unten war es deutlich weniger windig. Der Wind kam aus Südsüdost und das meiste fegt über die Klippe hinweg. Wir hätten uns eigentlich gut ein windgeschütztes Plätzchen suchen können, doch wollten lieber schauen, dass wir mit Allmo einen sicheren Nachtplatz finden. Also fuhren wir zeitig los.
Meine Idee nach vier Kilometern an der Rückseite einer Schule zu parken, wurde durch eine Baustelle torpediert, die sich rund um die Schule herum befand. Wir hielten auf dem Weg zu meinem nächsten ins Auge gefassten Platz Ausschau. Doch direkt in einem Dorf wollten wir auch nicht stehen.
Wir fuhren hinter eine Anlage mit vielen kleinen Häuschen. Der Weg endete in einer Sackgasse, direkt vor einer Dünenreihe. Allerdings befand sich dort auch die Zufahrt zu einem kleinen Hotel mit Restaurant. Das fanden wir etwas unpassend. Also fuhren wir wieder etwas zurück und zu dem Parkplatz auf der anderen Seite. Doch dort standen wir ungeschützt. Mit dem Wind flog der Sand Allmo um die Außenspiegel. Nee, das war auch nichts. Also doch wieder zurück in die Sackgasse. Denn ein Verbotsschild stand dort nicht und wenn wir uns an den Rand stellen, wird es hoffentlich okay sein. Also stellten wir uns neben die Düne und waren durch die Gebäude der Anlage etwas geschützt. Der Wendekreis in der Sackgasse war auch noch halbwegs befahrbar. Mit kleinen Fahrzeugen sowieso.
Die Sonne strahlte und es war nicht kalt. Gemeldet waren bis zu 24 Grad. Gestern waren es 26 Grad. Nur der Wind ist unangenehm.
Wir spazierten die Düne hoch und auf der anderen Seite hinunter an den langen Strand. Eine der Nachbardünen verlagerte durch den Wind ihren Standort. Wie kommt es, dass bei dieser einen Düne der Sand davon getragen wird und bei den anderen nicht? Der Aufstieg zurück auf die Düne war ganz schön anstrengend. Puh! Das reichte an sportlicher Betätigung für heute 😉.
Später gingen wir dann doch noch mal über die Dünen hinunter ans Meer und kämpften uns kurz drauf wieder die Düne hoch. Es war dann doch ein wenig zu windig und zu viel Sand in der Luft.
Im Laufe des Nachmittags kamen mehrere Kleingruppen, mit jeweils einem Surfbrett. Dieses diente zum Dünen-Rodeln. Scheint bei Familien mit Kindern und bei jungen Erwachsenen ein beliebter Ausflug zu sein. Sie parkten mit ihren Autos kreuz und quer und stellten uns zu. Wie gut, dass wir nicht weg wollten.
Zum frühen Abendessen gab es für uns Toast mit Spiegelei, Schinken, Zwiebeln und Käse. Das war schnell und energieschonend zubereitet.
Den Sonnenuntergang sahen wir uns von der Düne aus an. Doch leider war die Sonne eh nur schemenhaft zu erkennen und verschwand dann auch noch komplett im Wolkengrau. Dafür leuchtete der Himmel später in schönen Farben.
Vor 21 Uhr begann es dann etwas zu regnen. Es wurde vor Dauerregen (bis zu 100 L/qm innerhalb von 48 Stunden) gewarnt. Mal sehen, was die Nacht uns bringt.
Samstag, 3. Januar 2026
Vorsichtshalber schliefen wir in der Doka. Somit waren wir zur jederzeitigen Flucht bereit. Doch niemand kontrollierte uns, niemand schickte uns weg und Wind und Regen hielten sich auch sehr zurück.
Gegen 23 Uhr hörte ich Motorengeräusche und sah einen dunklen SUV, der drehte und davon fuhr. Frank erzählte mir am Morgen, dass er gegen 3 Uhr 5 Menschen auf der Düne gesehen hätte.
Am Morgen hatte ich das Gefühl, dass wir nach hinten etwas schräger stehen würden. Das Gefühlt trügte mich nicht. Durch den Regen war das Wasser die Straße heruntergelaufen, am Rand der Dünen hat es einen Bogen geschlagen, war an uns vorbei bis in eine Senke gelaufen. Dort befand sich jetzt ein kleiner Teich. Wie gut, dass wir nicht weiter zurückgesetzt hatten. So waren nur die Reifen minimal im Sand eingesunken und als wir losfuhren, fuhr Allmo, ohne mit den Wischerblättern zu zucken aus dem nassen Sand hinaus.
Das Wetter war besser als gedacht und unsere Batterien benötigten etwas Energie. Also steuerten wir einen Platz in einem kleinen Dünengebiet etwa 40 Kilometer weiter nördlich an. Die „Hiasl“, die auf dem Weg nach Mauretanien sind, fahren heute weiter in Richtung Süden und unsere Wege kreuzen sich so grob. Mal sehen, ob die beiden später noch zu uns stoßen.
Wir fuhren vorbei an älteren und im Bau befindlichen Apartmentanlagen. Bis Agadir ist es nicht weit, wo sich ein größerer Flughafen befindet.
Von der zweispurgien P1905 bogen wir auf die nur noch einspurige P1019 ab. Der befestigte/geschotterte Seitenstreifen diente bei Gegenverkehr als Ausweichmöglichkeit. Die letzten fünf Kilometer fuhren wir über eine Piste, deren Zustand gut war und die im Sand an kleinen Dünen endete.
Keine Stunde später hatten wir unser Ziel erreicht und Allmo nutzte den festen Sand als Auffahrkeil. Natürlich hatte Frank den vorher entsprechend geschaufelt. Es wehte zwar etwas Wind, aber längst nicht so stark wie gemeldet. Der Himmel war blau, die Sonne schien. Woken zogen immer wieder an uns vorbei. Regen war derzeit nicht in Sicht, wobei immer noch vor Dauerregen (20 – 50 L/qm innerhalb von 72 Stunden) gewarnt wird.
Wolfgang schrieb mir, dass er mit Angelika und dem Hiasl zu uns stoßen wird. Wir hatten uns letztes Jahr auf Euböa kennengelernt. Hiasl ist ein Iveco Magirus 80-13. Und so verbrachte nicht nur Allmo in sehr guter Gesellschaft den restlichen Tag und Abend, sondern wir auch. Es war eine sehr schöne und gelungene Abwechslung. Auch wenn wir sehr gut mit uns allein klar kommen, war es sehr schön mit den beiden. Der Abend ging ruck zuck um und plötzlich war es schon fast Mitternacht. Und dabei hätten wir noch so viele Gesprächsthemen gehabt.
Sonntag, 4. Januar 2026
Der Sonntag brachte uns eine Mischung aus Sonne, Wolken, Regen und Wind. So war’s auch schon ab dem gestrigen Nachmittag.
Von Angelika und Wolfgang verabschiedeten wir uns. Während ihr Weg weiter in den Süden und nach Mauretanien führt, müssen wir in die entgegengesetzte Richtung. Aber nicht heute. Die Wettervorhersage ist weiterhin für den Norden schlecht, so dass wir diesen Tag noch „aussitzen“ werden. Nach dem die beiden mit Hiasl gefahren waren, gingen wir etwas später ans Meer. Das hatten wir gestern noch nicht gemacht.
Wir nutzten eine trockene Phase und spazierten über die mit reichlich Muscheln bedeckten Dünen bis an die Küste. Vor uns lag eine kleine Steilküste mit Sandsteinfelsen, in denen sich Höhlenwohnungen befanden. Der Zugang war jeweils durch kleine Törchen verschlossen. Die zig Stufen hinunter ans Meer, wo sich noch mehr Wohnungen befanden, wollten wir nicht laufen. Es sah am Himmel schon wieder verdächtig nach Regen aus.
Auch wo wir parkten, war der Boden mit Muscheln und Muschelresten bedeckt. Wie waren dies rund 80 Meter über dem Meer hierhin gelangt? Und vor allem in dieser Vielzahl?
Wie bereits erwähnt hatten wir Aprilwetter und somit durfte auch ein Regenbogen nicht fehlen. Zum Abendessen, es gab Pizza, hatte Frank den guten Einfall, den Backofen und alle Zutaten nach Innen zu holen. Das war eine super Idee, denn die Pizzen waren noch niemals fertig belegt, als es schon wieder regnete.
Leider hatten wir erneut einen Wassereinbruch im Koffer. Ich glaube, ich hatte es letztens vergessen zu erwähnen. An der gleichen Stelle tropfte es hinein. Diesmal war es definitiv auf der Wind-Seite. Ob letztes Mal auch der Wind drauf stand, wissen wir nicht mehr.
Montag, 5. Januar 2026
In der Nacht wurde ich einmal vom Regen geweckt. Auch am Morgen zog eine kleine Regenfront an uns vorbei. Wir ließen die Woche gemütlich starten und fuhren bei schönstem Sonnenschein und blauem Himmel am späten Vormittag weiter.
tbc














































































































































































































































































































































































































