
Ein wenig mussten wir unsere Navis austricksen, um sicher mautfrei zur Grenze und durch Serbien zu gelangen. Auf dem Weg zur Hauptstraße kamen uns einige Fahrzeuge entgegen. Die wollten doch nicht alle zur Megalithischen Sternwarte Kokino? Es war noch keine 8 Uhr.
Wir hielten Kurs auf Kumanova und befüllten Allmos Haupttank noch einmal mit günstigem Diesel. Die Kraftstoffpreise sind staatlich festgesetzt. Selbst an der letzten Tankstelle vor der Grenze, die sich an der Autobahn befindet, sind die Preise identisch.
Die Autobahn nördlich von Kumanova bis zur Grenze Tabanovce ist mautfrei. Ebenso das erste Stück der serbischen Autobahn (bis zur ersten Abfahrt).
Wie vor zwei Jahren waren die Grenzhäuschen auf der nordmazedonischen Seite nicht besetzt. Dafür fanden auf serbischer Seite die Ausreise aus Nordmazedonien und die Einreise nach Serbien auf einer Spur in zwei getrennten Häuschen statt. Drei Schlangen waren für Pkws geöffnet, wozu wir uns auch zählten. Schließlich sind wir kein Bus und kein Gütertransport. Wir hatten dann das Glück, dass links neben unser Spur eine weitere geöffnet wurde, so dass sich die Autos auf beide Spuren aufteilten.
Sowohl der nordmazedonische Grenzer, als auch die serbische – noch sehr junge – Dame, schauten Allmo mit großen Augen an. Ich bemerkte, dass es sich um einen Camper handelt und alles war gut. Nach dem an beiden Stellen unsere Pässe ohne Beanstandung eingelesen wurden, ging’s weiter zum Zöllner. Ein einziger Herr war für alle Fahrspuren zuständig und natürlich wollte er bei uns reinschauen. Bevor er einen Blick in den Koffer warf, wollte er von Frank wissen, ob wir einen Hund dabei hätten. Nein, nur eine Katze. Mit der Antwort gab er sich zufrieden.
Er blickte etwas länger in den Koffer (dazu hatten wir unsere alte Eingangstür geöffnet), dann schaute er noch in die Doka. Die Küche, deren Jalousie wir schon hochgezogen hatten, interessierte ihn schon nicht mehr. Alles schien in Ordnung zu sein und wir durften weiterfahren. Ungefähr 20 Minuten benötigten wir für den Grenzübertritt. Das war überschaubar.
Bei unserer Serbien-Durchquerung fuhren wir durch sehr viele Dörfer und durch ein paar kleinere Städte. Leider gab es auch, wie bereits in Nordmazedonien, häufiger illegale Mülldeponien. Wobei es an Müllcontainern nicht mangelt. Grundsätzlich machten die Dörfer einen ordentlicheren Eindruck (weniger verlassene Objekte). Die Farbe rot dominiert das Bild. Rote Dächer und rotes Mauerwerk (wenn die Gebäue nicht verputzt sind).
So viele Kilometer am Stück fahren wir selten bis nie und daher kam es uns heute vermutlich nur so vor, als wenn wir auf der Straße mit vielen Idioten zu tun hätten. Entweder wurde langsam vor uns her gezockelt oder wir wurden überholt, obwohl wir uns an die Geschwindigkeiten hielten. Ein LKW mit Hänger zog vor uns raus und dass, obwohl er kaum um die Kurve kam und die Straße zwar zweispurig, aber dennoch schmal war. Überholen war natürlich nicht so einfach. Ging dann aber irgendwann.
Nach ungefähr 200 Kilometern legten wir eine Pause ein. Weil’s 12 Uhr war, aßen wir auch direkt etwas. Den Platz, den wir uns für die Pause ausgesucht hatten, befand sich an der Kirche Crkva Sv. Arhandela Mihaila I Gavrila bei Kondzelj. Nach dem wir uns gestärkt hatten, warfen wir noch einen Blick in die, von außen leicht unspektakulär wirkende, Kirche. Dafür war sie von innen um so spektakulär. Zig Fresken befanden sich auf den Wänden und an der Decke. Alle waren sehr gut erhalten.
Noch waren wir guter Dinge, denn bisher lief es sehr gut. Rund 160 Kilometern lagen jetzt noch vor uns. Die letzten 50 – 60 Kilometer wurden anstrengend. Der Verkehr nervte. Wegen einer Baustelle, die die komplette Straße einnahm, mussten wir dann irgendwo zurücksetzen und umdrehen. Im weiteren Streckenverlauf ignorierten wir dann das 3,5 Tonnen-Schild, weil wir einfach nur noch ankommen wollten. Das erste Schild hatten wir noch beachtet und waren an der Stelle nicht rechts abgebogen, wo das Verbot war. Etwas später, an anderer Stelle war es uns dann sch… egal und es war auch nichts Kritisches auf dem Weg. Vermutlich will man nur den schweren Verkehr aus der Stadt raushalten und so lang sind wir auch gar nicht durch die Stadt gefahren.
Danach lagen noch 30 Kilometer vor uns und jedes Schlagloch und jede Bodenunebenheit nervte mich nur noch. Frank wollte zwar auch ankommen, war jedoch etwas gelassener.
Ich hatte uns einen Platz an einem See herausgesucht. Zwar neben einer Straße, aber hoffentlich irgendwie okay.
Die Zufahrt, die wir nahmen, hätte auch der Eingang zu einer Mülldeponie sein können. Mittendrin einige Hunde und am Ende einige PKWs. Denn heute ist Angler-Samstag. Gefühlt scheint jeder Serbe heute mit seiner Angel an einem Fluss oder See zu sitzen (konnten wir auf der Fahrt mehrfach beobachten).
Wir drehten, denn auf der Fahrt hatten wir gesehen, dass die Zufahrt vorher zu einem Bereich führt, in dem es eine viel größere Fläche gibt. Diese Fläche ist natürlich nur dem niedrigen Wasserstand zu verdanken.
Auch an dem Ort gab es ein paar Angler. Doch wegen der Größe der Fläche, verteilten sich diese. Wir parkten Allmo ein. Geschafft! Fast 360 Kilometer waren wir heute gefahren. Beinah 8 Stunden waren wir unterwegs. Reine Fahrtzeit vermutlich 7 Stunden.
Nach diesem „Höllenritt“ gönnten wir uns ein kühles Bier. Während ich mich um Emma kümmerte, die den ganzen Tag keinen Mucks von sich gegeben hatte, bereitete Frank unser Essen vor. Ein letztes Mal gab es die griechisch-bayrischen-Leberkäse-Zaziki-Burger. Mit Blick auf den Gruzansko Jezero verspeisten wir diese.
Allmo ist heute auf Muscheln gebettet. Der gesamte Bereich, der wohl mal unter Wasser stand ist übersäht von Muscheln. Sehr viele kleine, aber auch Muscheln, die so groß sind wie meine Hand.
Recht bald nach dem Essen gingen wir rein. Auch die Angler verließen nach und nach den See. Waren wir sonnig in den Tag gestartet, zog es sich irgendwann im Laufe des Nachmittags zu. Thermometer zeigten unterwegs 23 bzw. 20 Grad. Etwas Regen war gemeldet, allerdings nur für 2 – 3 Stunden. Daher baute Frank das Dachzelt auf. Im Hubdach würden wir sonst eingehen.
Natürlich kam der Regen und vielleicht auch etwas stärker als gemeldet. Kann aber auch nur mein subjektives Empfinden sein. Wie gemeldet, hörte der Regen nach ein paar Stunden wieder auf.
Sonntag, 23. März 2025
Wir waren natürlich wieder früh wach. Bereits vor 7 Uhr hatten wir gefrühstückt und waren losgefahren. Ein Abschiedsvideo gab’s nicht. Nachdem Frank unsere Frühstücksutensilien draußen geholt hatte, befand sich eine zentimeterdicke Matschschicht unter seinen Sohlen. Da bevorzugte ich den Weg innen herum. Außerdem war es draußen eh grau in grau.
Rund 250 Kilometer trennten uns von der serbisch-kroatischen Grenze bei Sid. Auch heute ging es durch sehr viele kleine Dörfer und nur wenig größere Städte. Alles lief unproblematisch. Die Straßenverhältnisse waren, abgesehen von einer Buckelpiste mit Flickenteppich, in Ordnung. Wir kamen sehr gut voran. Nur wenige Male stoppten wir für ein Foto, ansonsten fuhren wir durch. Vier der letzten fünf Schälchen mit Katzenfutter bekamen zwei Straßenhunde. Grundsätzlich sahen wir in den beiden Tagen erschreckend viele tote Hunde am Straßenrand.
Drei Kilometer vor der Grenze bei Sid, reihten sich die LKWs aneinander. Frank wollte erst nicht dran vorbei fahren, weil die Straße schmal war. Es gab für jede Fahrtrichtung nur eine Spur und somit keine Ausweichmöglichkeiten bei Gegenverkehr. Ich nötigte ihn dann zur Weiterfahrt, als der Gegenverkehr vorbei war. Zweimal mussten wir einscheren, als Gegenverkehr kam. An den Stellen waren zum Glück auch Lücken zwischen den wartenden LKWs.
Der serbische Grenzer checkte Fahrzeugpapiere und unsere Ausweise, behielt unsere Dokumente und bat uns auf der gestreiften Fläche für die Zollkontrolle zu warten. Normalerweise bekommen wir die Papiere trotzdem zurück. Diesmal nicht.
Wir warteten eine ganze Weile in der Sonne, bis sich irgendwann mal der Zöllner zu uns begab. Dann musste er noch seinen Kollegen dazuholen und dann ging’s zur Sache. Mit Gummihandschuhen und Taschenlampen wurde nicht alles, aber sehr viel durchsucht. Immer wieder fragte der eine Zöllner uns, ob wir Marihuana dabei hätten. Immer wieder verneinten wir. Noch niemals Zigaretten, weil wir nicht rauchen. Selbst im Gemüsefach bei den Zwiebeln, den Gewürzen, im Kühlschrank sah er nach. Im Koffer nahm er das Fach unter unserem Waschbecken auseinander und sah in unsere Badaufhängung. Von den Kleiderkisten konnten wir ihn immerhin abbringen.
Dafür zog er dann die Doka auf links, aber erst nachdem ich unser gefährliches Raubtier (Emma) rausgeholt hatte. Während der eine Zöllner Emma kraulte, ein weiterer zu sah, hatte der emsige Zöllner den Beutel mit dem schmutzigen Katzenstreu in der Hand, mit den Worten „Marihuana“? Nein, nur Katzen-Poo. Es hatte schon beinah was Lustiges. Die Kissen in der Doka hob er hoch und sortierte diese neu. Dann setzte er sich auf den Fahrersitz, während der Kollege auf dem Beifahrersitz saß. Gemeinsam nahmen sie unsere Mittelarmkonsole, bzw. deren Inhalt auseinander. Die Medikamente, die wir mit haben, mussten wir auch zeigen. Natürlich war da auch kein Marihuana dabei.
Die anfänglich herbeigeholte Leiter kam dann nicht mehr zum Einsatz. Ohne Fund, und er hätte noch stundenlang weiter suchen können, denn was nicht da ist kann auch niemand finden, gab er auf.
Wir mussten dann noch ein paar Minuten auf unsere Ausweise und den Fahrzeugschein warten. Warum diese dann aus dem Nebengebäude und nicht aus dem kleinen Kontrollhäuschen zu uns gebracht wurden, ist uns ein Rätsel. Ob in dem Gebäude noch irgendetwas anderes kontrolliert wurde? Aber eine weißere Weste als wir haben, kann es gar nicht geben. Keine Ahnung, warum wir so gefilzt wurden. Insgesamt dauerte das Prozedere inklusive Wartezeiten rund eine halbe Stunde.
Der eine Zöllner, der Emma gekrault hatte, wollte noch von mir wissen, wie viel Allmo verbraucht und warum wir keinen normalen Camper haben. Außerdem fragte er mich, ob wir in Serbien schonmal kontrolliert wurden. Nein, wurden wir nicht. Und an der nordmazedonisch-serbischen Grenze hatte der Kollege nur kurz ins Fahrzeug geschaut.
Man wünschte uns „Have a nice trip“ bzw. „Have a nice day” und dann durften wir auf die kroatische Grenze zurollen. Auch wenn die Kontrolle etwas nervte, müssen wir sagen, dass die Zöllner alle nett und freundlich waren.
Der kroatische Grenzer dort war direkt zu Scherzen aufgelegt (vielleicht hatte er gesehen, dass wir auf serbischer Seite gefilzt wurden und war deshalb besonders spaßig) und erstaunt, dass wir ein halbes Jahr unterwegs waren. Ruckzuck waren unsere Dokumente gesichtet und wir durften zum Zoll weiterfahren. Der Kollege kam aus seinem Häuschen und bat uns an die Seite zu fahren. Mir schwante böses. Zunächst meinte er auch, dass wir alles öffnen sollen. Doch nachdem er einen Blick in den Koffer geworfen hatte, stellte er uns noch drei Fragen: Zigaretten? Nein. Alkohol? Nein. Fleisch? Ja, Wurst fürs Frühstück. Das war okay und er wollte noch niemals in den Kühlschrank gucken. Er bedankte sich auf Deutsch und wünschte uns eine gute Weiterfahrt. Wie jetzt? Das ging ja fix. Keine fünf Minuten brachten wir an der kroatischen Grenze zu.
Tbc