Wir verließen Camposoto in nördliche Richtung. Sevilla war so grob unser Ziel bzw. Italica. Auf ungefähr halber Strecke fuhren wir zu einer Entsorgungsstation mit angrenzendem Stellplatz für Womos. Direkt an der Hauptstraße und am Rande eines Industriegebietes gelegen, gibt’s wohl kaum einen schlechteren Platz zum Übernachten.

Bei Karten-Gockel entdeckte ich eine Stelle, die als Cortijo Ibarburu, also als Bauernhaus, gekennzeichnet war. Die Fotos sahen interessant aus und weil es nur mit wenigen Metern Umweg verbunden war, wollten wir uns das genauer anschauen.

Allmo musste vor der Zufahrt warten. Palmen und Bäume ragten etwas in den Weg hinein. Das Haupttor war zugemauert und sogar verputzt, ebenso die Fenster. Wir gingen ums Eck, dort waren die Tür offen bzw. nicht mehr vorhanden.



Wir befanden uns in einem großen Raum oder einer Art Scheune. Die Durchgänge zum Innenhof waren offen. Teile des vermeintlichen Wohnbereichs waren eingestürzt. Frank lief über den Schutthaufen und landete in der kleinen Kapelle, unschwer an den Wand- und Deckenmalereien zu erkennen. Das war ja mal klasse.

Der Innenhof mit dem Brunnen und dem dahinter liegenden Turm gab ein schönes Motiv. In dem Bereich, der dahinter lag, befanden sich in den Boden eingelassene Tongefäße. Diese waren schätzungsweise 2 Meter tief.



Durch eine Holztür ging es in einen weiteren Raum, in dem viele Tongefäße standen. Doch das zentrale Herzstück des Raumes war ein Ding aus Holz (ein langer Arm) mit einem senkrechten „Bohrer“. Frank meint, dass dort vielleicht Korn zu Mehl gemahlenen wurde und dann in den Tongefäßen gelagert wurde. Zumindest lagen auch ein paar Mühlsteine herum.


Sehr, sehr cool und dies hatten die Fotos bei Gockel nicht gezeigt. Umso mehr freuten wir uns über diesen Lost Place. Irgendwer schien das alte Bauernhaus als Kunstgalerie zu nutzen. Zumindest standen an diversen Stellen kleine Bilder. Ställe und Futtertröge befanden sich in einem weiteren Trakt.



Auch in Spanien gibt es Brücken, die ein wenig pflegebedürftig sind und ich kam mir vor wie auf der A40-Rheinbrücke in Duisburg. Sevilla ließen wir rechts liegen und fuhren weiter bis nach Santiponce bzw. dort zur archäologischen Stätte Italica. Wir parkten Allmo in einer Nebenstraße am Seitenstreifen.

Der Besuch von Italica ist für EU-Bürger kostenfrei. Wir mussten unseren Ausweis zeigen und bekamen zwei Gratis-Tickets und eine Info-Broschüre ausgehändigt. Italica war die erste römische Stadt, die auf der iberischen Halbinsel im Jahr 206 vor Christus gegründet wurde.



Direkt vor uns lag das Amphitheater. Ein kolossales Gebilde aus grauem Stein, dass 25.000 Zuschauern Platz bot. Nicht alle Gänge waren zugänglich. Ob dies an dem Regen der vergangenen Tage lag oder ob Teilbereiche grundsätzlich gesperrt sind?



Von dem ehemaligen Dorf Italica bzw. den Gebäuden ist nicht viel übrig bzw. wird vielleicht auch noch einiges unter den Rasenflächen verborgen liegen. Doch was sehr interessant ist, sind die freigelegten Bodenmosaike. Wobei manche Mosaike fehlen und auf den Info-Tafeln nur stand, dass es nicht da ist. Ob das jeweilige Hauptmosaike nun in einem Museum ausgestellt ist oder zu irgendeiner Zeit entwendet wurde, ging daraus nicht hervor. Sehr schade.



Nachdem wir unseren Rundgang auf dem Gelände beendet hatten, die Reste der römischen Bäder waren nicht sehr spannend, schlugen wir noch den Weg zum römischen Theater ein. Dieses befand sich ein paar wenige hundert Meter entfernt. Auch dort ist der Eintritt kostenfrei. Wir mussten noch niemals unseren Ausweis zeigen.



Auf dem Rückweg zu Allmo spürte ich fast jeden Knochen in meinem Gesäß. Die foraminalen Engen machten mir zu schaffen. Es waren insgesamt aber auch schon um die 7,5 Kilometer, die wir heute gelaufen waren. Für einen Standbummel durch Sevilla, der für morgen angedacht ist, sehe ich im Moment schwarz.



Kurzzeitig überlegten wir, ob wir auf dem Parkplatz am Ortseingang von Santiponce übernachten sollen. Quasi auf der Rückseite vom römischen Theater. Wir entschieden uns dann jedoch dagegen, weil wir nicht wussten, wie viel Verkehr nachts auf der Nationalstraße los ist. Stattdessen fuhren wir, wie geplant, nach Castilleja de Guzman.

Tbc

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