
Unser Zwischenziel auf dem Weg zur griechisch-nordmazedonischen Grenze war der Thessaloniki Train Cemetery. Dieser befindet sich westlich vom Stadtgebiet.
Während der Fahrt dachten wir, dass wir nicht richtig sehen. Befand sich doch tatsächlich ein Flugzeug (eine DC3) auf dem Dach eines Gebäudes. Ob die Statik des DC3 Cafes dafür ausgerichtet ist?
Auf dem Weg zum Zugfriedhof fuhren wir erneut an ein paar verlassenen Objekten vorbei. Bei einem stoppten wir dann spontan. Es handelte sich um eine große Halle, mit einer guten Parkmöglichkeit.
Wir waren gespannt was uns erwarten würde. Im Büro stand noch ein Computer-Bildschirm, auch ein Multifunktions-Kopier-Druck-Fax-Gerät war vorhanden. Frische Prospekte des Unternehmens verrieten uns, was dort in den Hallen verarbeitet wurde: Holz. Ob als Zaunelemente für den Garten oder gleich ein ganzes Einfamilien-Holzhaus, alles konnte man früher dort kaufen. Wir entdeckten einen Kalender von 2005. Ob es sich dabei um das letzte Geschäftsjahr handelte?
In den riesigen Hallen befanden sich leider keine Maschinen oder Werkbänke. Dafür wurden noch Arbeitsmaterialien (Holztüren, Dachschindeln, Treppen, Wannen, Waschbecken, aber auch Holzleisten, Laminat und Stromzähler-Abdeckungen (!) dort gelagert. Ein paar Ersatzteile (Filter, Druckmesser) für die nicht mehr vorhandenen Maschinen lagerten in den Regalen. Im Erste-Hilfe-Kasten lag noch eine Bepanthen-Salbe. Ich wollte sie aber nicht anfassen, um auf das Verfallsdatum zu schauen.
Ungefähr 30 Kilometer später erreichten wir die Vororte von Thessaloniki. Bevor wir zum Train Cemetery abbogen, stoppten wir noch bei einem Gelände, auf dem jede Menge Militärfahrzeuge der US Army standen. Frank sah sich diese allein an, während ich Allmo hütete.
Und dann waren wir auch schon am Zugfriedhof. Wir stellten Allmo am Wegesrand ab und weil die Gegend vertrauenserweckend aussah, gingen wir zusammen auf Erkundungstour. In den 1980er Jahren sollen die Waggons dort abgestellt und dem Verfall überlassen worden sein.
Auf mehreren Gleisen wurden dicht an dicht die unterschiedlichsten Waggons abgestellt. Über die Jahre haben diese sehr gelitten. Besonders die Böden der Personen-Waggons sind teilweise von einer Blätterteig-Konsistenz, sofern nicht komplette Bodenelemente fehlen. Aber auch Güterwaggons und Silos fanden auf den Abstellgleisen ihr letztes zu Hause. Frank war fassungslos, was dort für ein Vermögen bzw. Schrottwert herumsteht.
Wir sahen uns nur ein wenig um, denn trotz der Winterzeit ist doch einiges zugewachsen und manchmal auch mit dornigem Gestrüpp.
Bis zur Grenze waren es noch etwas über 60 Kilometer. Wir stoppten noch an einer ehemaligen eisernen Eisenbahnbrücke, über die jedoch kein Zug mehr fährt. Die Gleise sind teilweise überwuchert. Auf einem kleinen Hügel befand sich eine Mini-Kapelle und auf dem gegenüberliegenden Hügel ein Bunker. Auch in der Ferne entdeckten wir einen Bunker und weitere Gebäude aus Beton. Das Gebiet scheint in einem der Kriege sehr umkämpft gewesen zu sein. Später entdeckten wir noch eine ganz Bunker-Batterie, die in den Hügel eingelassen wurden.
Gestern und auch heute kamen uns viele Militärfahrzeuge auf der Straße entgegen. Überwiegend G-Klasse Mercedes mit Pritsch-Plane. Gestern sahen wir sieben Armee-Hubschrauber am Himmel.
Wir sahen heute wieder einige Baumwoll-LKWs, aber keine Baumwollfelder. Dafür wieder jede Menge Grünland, das für den Ackerbau genutzt wird. Manchmal wurde das Ackerland in Sonnenenergie (Solar-Parks) umgewandelt.
Ein weiteres Mal stoppten wir am Gallikos River. Kühe standen im Flussbett. Also muss es sich wohl um Wasserbüffel handeln. Durch die kleine Stufe und der vielen Wasserpflanzen hatte es beinah etwas von einem Teich. Ein Hund bekam etwas Nassfutter, wobei das eigentlich für den dünnen Jagdhund oder so was ähnliches gedacht war. Der rannte allerdings davon und ging dann leer aus.
Der weitere Weg führte uns durch viel grüne Landschaft. Stück für Stück näherten wir uns der Grenze zu Nordmazedonien.
Tbc