
Auf dem Weg nach Kokino hielten wir recht bald an einer Tankstelle an. Frank hatte vorgestern die letzten Reste aus unseren Zusatztanks in den Haupttank umgepumpt. Nur noch in dem Tank für unsere Standheizung befand sich ein Rest Diesel. Bevor wir also irgendwo im Nirgendwo plötzlich stehen bleiben, tankten wir recht früh.
Für umgerechnet ca. 1,12 Euro den Liter Diesel gönnten wir Allmo 212 Liter. Zudem wurden seine Reifen mit frischer Luft versorgt (vorne war der Reifendruck in Ordnung, hinten fehlte was) und abgerundet wurde das Wellness-Programm mit Seifenschaum auf der Frontscheibe. Schade, dass an der Stelle keine Waschstraße für Große vorhanden war. Anschließend lief Allmo wie ein Döpken, so freute er sich über die ganze Zuwendung.
Natürlich schafften wir es nicht ohne zusätzliche Stopps bis zur Sternwarte Kokino durchzufahren. Wir hielten bei einem ausrangierten alten Feuerwehrauto, einem FAP xxx. Bis auf 13 Denar gab ich die, von der letzten Reise übrig gebliebenen, 358 Denar (5,85 Euro) in einem Supermarkt für Brot und Bier aus. Die Kassiererin hat dies bestimmt amüsiert. Weitere Male hielten wir an, um die nordmazedonische Flagge zu fotografieren. Und dann schafften wir es tatsächlich bis zum Ziel durchzufahren.
Emma wurde zwischendurch unruhig. Immer wieder kam sie nach vorne. Schaute, wo die Sonne war, und kletterte für kurze Zeit auf Franks Schoß. Das war dann aber doch zu ungemütlich und sie ging wieder nach hinten.
Vorbei ging es heute an viel Landschaft und leider (wie ich es vom letzten Mal in Erinnerung hatte) auch an sehr vielen Müllbergen. Zwischenzeitlich fuhren wir auf rund 900 Meter hoch, um dann wieder auf 400 Meter runterzufahren. Morgens blickten wir eine ganze Weile auf einen schneebedeckten Bergen, der sich westlich von uns befand. Wir fuhren komplett über Landstraßen bzw. über ein mautfreies Stück der A4 und 2 (wobei diese dort auch nur Landstraßen-Charakter hatte).
Unser Ziel war die megalithische Sternwarte Kokino. Der Weg dorthin ist ab der Ausfahrt von der A2 ausgeschildert und führt über eine schmale Landstraße, auf der kaum Verkehr herrscht.
Zwei große Schilder weisen am Wegesrand auf die Sternwarte hin, dort befindet sich auch der Parkplatz auf einer grünen Wiese. Ein wenig hatte ich die Hoffnung, dass wochentags (Okay, es ist Freitag), niemand da ist der Eintritt verlangt. Doch leider war dem nicht so. Ein Security-Mann war vor Ort. Er erklärte mir auch sogleich auf Mazedonisch, wie teuer das Ticket ist. Denn der Eintritt von 5 Euro pro Person für Ausländer ist schon happig. Einheimische zahlen im Gegensatz nur 100 Denar (also ungefähr 1,60 Euro), kürzlich waren es sogar nur 60 Denar (1 Euro).
Wir entschieden dann, dass ich allein zu der Wanderung aufbreche. Nicht nur, weil wir dadurch 5 Euro gespart haben, sondern weil Frank sich ja auch nicht ums Wandern reißt. Und somit hat sich die Fahrt hierhin wenigstens etwas gelohnt. Als der Herr merkte, dass ich nur ein Ticket kaufen wollte, fragte er noch (mittels einer Übersetzungs-App), ob wir in Mazedonien arbeiten würden. Was ja nicht der Fall ist. Vielleicht war es der Versuch uns nur den Einheimischen Preis zu berechnen, weil er gemerkt hat, dass ich mit den 5 Euro nicht sehr glücklich war. Letztlich würde es ja auch keiner mitbekommen, wenn er uns ein Einheimischen-Ticket berechnen würde, so lange es in dem Moment niemand kontrolliert. Ansonsten wäre der Ärger vorprogrammiert und das Risiko will und soll niemand eingehen.
Er zeigte mir noch den Weg: geradeaus und dann links, und ich marschierte los. Bereits vom Parkplatz aus ist der Berg, auf dem sich die megalithische Sternwarte befindet zu sehen. Holzschilder weisen den Weg und insgesamt entdeckte ich drei Holzschilder, auf denen der Preis angeschlagen war.
Schnell stand ich vor dem Berg, auf dem sich die megalithische Sternwarte befindet. Die Natur hat sich mit den grauen Felsen, die sich auf und um diesen Hügel herum angesammelt haben, auch was Lustiges gedacht.
Es handelt sich um einer der ältesten Megalith-Sternwarten der Welt, d. h. dass Markierungen in die Steinblöcke gehauen wurden. Und somit der Verlauf von Sonne und Mond im Laufe des Jahres beobachtet wurde. Sie stammen aus dem 20. – 12. Jahrhundert vor Christus.
Doch mein ungeschultes Auge hat diese sieben Markierungen, die es geben soll, trotz der kleinen Infotafeln nicht so richtig wahrgenommen. Entdeckt wurde diese Sternwarte erst 2001 von einem Archäologen.
Es gibt vier Plattformen, die als Observatorium dienten. Mittels der Holz-Wegweiser und Maps.Me, sah ich mir alle vier Bereiche an. Die Vielzahl an Felsblöcken und wie diese teilweise senkrecht stehen, war interessant anzusehen. Das da irgendwo Markierungen reingeschlagen wurden, ist mir echt nicht aufgefallen. Je nach dem, wo ich auf dem Hügel stand, konnte ich immer in die Ferne blicken. Quasi ein 360 Grad Blick, jedoch nicht von einer Stelle aus.
Laut Wikipedia gehört die Megalithische Sternware Kokino mit zu den 15 bedeutendsten archäologischen Observatorien der Welt. Bei anderen Orten handelt es sich z. B. um Stonehenge in England, Angkor Wat in Kambodscha und Abu Simbel in Ägypten.
Nach rund 2 Kilometern und 1 Stunde war ich wieder zurück. Eigentlich wollte ich den Herrn noch fragen, wann es das letzte Mal geschneit hat, weil ich noch vereinzelt im Schatten Schneereste entdeckt hatte. Doch irgendwie war er gerade nicht auffindbar. Also fuhren wir weiter.
Theoretisch hätten wir auch dort auf dem Platz übernachten können. Doch wir fuhren ein paar Kilometer zurück. Dort hatten wir auf dem Hinweg einen großen Platz entdeckt, an dem sich ein überdachter Picknickbereich befindet. Anstatt auf 900 Metern übernachten wir auf rund 750 Metern. Wir sind gespannt, wie kalt es wird.
Am Morgen hatte ich noch die Überlegung, zum Übernachten nach Cocev Kamen zu fahren. Dort hatten wir vor zwei Jahren auch übernachtet. Doch das hätte nochmal um die 50 Kilometer bedeutet und vor allem, waren wir dort heute schon fast vorbeigekommen. Das machte also wenig Sinn.
Ich entdeckte bereits während der langen Fahrt ein kleines Thermalbecken, was auf rund 400 Höhenmetern lag. Doch die Internet-Bewertungen hörten sich nicht gut an (verdreckt), so dass wir davon auch Abstand genommen hatten. Und wer weiß, was dort am Wochenende abends/nachts los ist. Zumal es näher an der Bebauung war. Gleiches galt für einen Platz an einem Fluss, den wir während der Fahrt nach Kokino sahen. So mitten im gefühlten Nirgendwo, werden wir wohl an einem Freitagabend unsere Ruhe haben. Wobei es auch im Nirgendwo immer mal wieder ein kleines Häuschen gab.
Als erstes entdeckten wir eine Katze, die sich neben den Bänken aufhielt. Zögerlich kam sie bzw. er (es ist ein Kater) auf uns zu. Zwei Schälchen Nassfutter verputzte der Kerl ruckzuck. Wer weiß, wie oft oder wenig er etwas zu fressen bekommt. Eins seiner Augen sah schlimm aus. Vorsichtshalber streichelten wir ihn nicht. Wir können nicht riskieren uns irgendwas einzufangen, was wir auf Emma übertragen könnten. Auch über das Trockenfutter machte er sich gierig her. Vermutlich frisst er alles, was er bekommt. Weil danach auch wieder Durststrecken auftreten. Ein Schälchen mit Wasser stellte ich ihm auch noch hin, aber dafür interessierte er sich nicht sonderlich.
Weil wir ein frühes Frühstück hatten und während der Fahrt jeder einen Donat verputzt hatte, waren wir leicht hungrig, als wir an unserem Übernachtungsplatz ankamen. Unser Mittagssnack war ausgefallen, weil ich direkt zur Wanderung aufgebrochen war, obwohl dies eigentlich die richtige Zeit dafür gewesen wäre. Also gab’s direkt Pizza, die wir in der Sonne sitzend verputzen. Gemeldet waren 16 Grad und wenn gerade kein Lüftchen wehte, war es selbst in kurzer Kleidung sehr warm. Weil wir es gar nicht mehr gewöhnt sind Bier im Kühlschrank zu haben, vergaßen wir glatt eins zu trinken. Als wir es bemerkten, wollten wir auch nicht mehr. Da begann es nämlich schon kälter zu werden.
Die Sonne verschwand zum Sonnenuntergang hinter dem Hügel und wir saßen zu der Zeit bereits gemütlich in Allmo. Kaum das wir uns in Allmo verkrochen hatten, kam ein Hirte mit einer Schafherde vorbei. Der Kater knabberte hin und wieder an der zweiten Portion Trockenfutter. Dann war er wieder unsichtbar.
Samstag, 22. März 2025
Wie erhofft, war es in der Nacht mehr als ruhig. Kein Piep war zu hören. Auch kein Wind, der am Dachzelt klapperte. Natürlich waren wir wieder früh wach. Eine Stunde Zeitverschiebung bringt uns aus der Bahn. Frank hörte den Kater draußen maunzen, doch als ich mit Futter rausging, war der kleine Kerl verschwunden und ließ sich bis zu unserer Abfahrt nicht mehr blicken. Eigentlich wollte ich ihn noch füttern, dies erübrigte sich. Wer weiß, wann und ob er überhaupt wieder kommt.
Nicht nur in der Nacht war es mild gewesen (hinten 11 Grad, vorne fast 10 Grad), sondern auch am Morgen. Und das auf rund 750 Höhenmetern. Nach dem Frühstück brachen wir auf. Ungefähr 360 Kilometer lagen vor uns. Für uns ein sehr langer Fahrtag.
tbc