Probleme mit der Kupplung



Auf dem Weg in den Norden stoppten wir bei einem Camper-freundlichen Lidl und setzten dann unseren Weg fort. Unterwegs bekam Frank bzw. Allmo Kupplungsprobleme. Doch den Stopp bei einem Shopping-Center, um den Tank umzupumpen, wollte Frank nicht nutzen, um nach der Kupplung zu sehen.

Zweimal schafften wir es falsch zu fahren. Beim ersten mal teilte sich die Autobahn und ich schickte Frank auf die falschen Spuren, und beim zweiten mal waren wir auf der richtigen Spur, nur das Frank das Tempo nicht drosselte, obwohl wir in eine Kurve fuhren. Da musste er schnell rüber ziehen auf die geradeaus Spur. Und so landeten wir dann an der Nordküste. Wo wir schon mal dort waren, stoppten wir bei den Salinas El Bufadero, ehemaligen Salzsalinen. Über die Elefantengrauen Felsenbei den Salinen und auch in den ehemaligen Becken, die ein wenig unnatürlich wirkten, war ich etwas irritiert.

Das Wasser schimmerte an der Küste türkisblau und war glasklar. Dort könnte man bestimmt gut schnorcheln. Wir begnügten uns mit einem Blick von oben und fuhren dann weiter.



Die Kupplungsprobleme wurden immer schlimmer. Doch Frank hatte sich in den Kopf gesetzt, erst an unserem Übernachtungsplatz dem Problem auf die Spur zu gehen. Mein Hinweis, dass wir dies besser in der Zivilisation machen könnten, damit die Wege zu einer Werkstatt oder wem auch immer, kürzer sind, prallte an ihm ab. Mehr fluchend als fahrend erreichten wir dann die Area Recreativa de la Laguna de Valleseco bzw. den Arsch der Welt.


Für die unglaubliche grüne Landschaft, während der letzten Kilometer hatte ich kaum ein Auge übrig, so nervten mich Franks Flüche. Wer wollte denn nicht schon eher irgendwo stehen bleiben?

Nachdem wir fast eine Runde um die Lagune gedreht hatten, kam die geschotterte Fläche in Sicht. Ein Herr versicherte, dass das Parken dort kein Problem wäre. Wobei am Eingang Camping-Verboten-Schilder hingen. Wir wollten ja nicht campen, sondern Allmo reparieren.

Die Zufahrt war ein wenig schmal und theoretisch gibt es ein Tor, welches durch ein Schloss gesichert werden kann. Wir hofften einfach darauf, dass uns keiner einschließt. Da wussten wir ja noch nicht, dass wir eh nicht fahrbereit sind.

Gegen 15 Uhr, noch bei schönstem Sonnenschein und blauem Himmel, begann Frank sich den Kupplungsproblemen zu stellen. Letztlich stellte er die Diagnose, dass der Kupplungsnehmerzylinder etwas undicht ist. Dieser bereitete uns bereits Anfang 2021 in Guadix Probleme, die wir dann mit einem neuen Dichtungsgummi beheben konnten.

Das zweite Ersatz-Dichtungsgummi hatten wir dabei und irgendwo müsste auch ein ganz neuer Kupplungsnehmerzylinder sein, doch dieser blieb zunächst einmal verschwunden. Wir beiden durchforsteten die Dachbox, in der sich eigentlich alle Ersatzteile befanden. Doch der Kupplungsnehmerzylinder blieb verschollen. Dann werden wir halt nur das Gummi austauschen. Besser als nichts. Und dann kam Frank noch ein Gedanke: Könnte der Zylinder bei der Standheizung hinten liegen? Und tatsächlich, dort lag er. Vermutlich hatten wir ihn damals dort eingelagert, damit er nicht im Weg liegt, denn Franks Eltern hatten uns das Ersatzteil nach Guadix zur Feuerwehr geschickt. Das Frank ein neues Dichtungsgummi auftreiben konnte und wir danach wieder fahrbereit waren, hatte sich mit dem Paket aus Deutschland überschnitten.


Der alte Kupplungsnehmerzylinder war schnell ausgebaut und der neue theoretisch auch zügig wieder eingebaut. Doch dann beim Pumpen (mein Job ist es immer im Fahrerhaus auf die Kupplung zu treten), kam Frank die Flüssigkeit an einer anderen Stelle entgegengespritzt. Er war total irritiert und als er realisiert hatte, dass der Schlauch zum Kupplungsnehmerzylinder undicht ist, war er wenig begeistert. Aus einem Loch sprudelte die Flüssigkeit heraus und vermutlich kam dort während der Fahrt Luft ins System.


Frank schraubte den neuen Zylinder und den Schlauch wieder auseinander und damit waren wir nicht mehr fahrtüchtig. Da kann kommen was wolle. Für morgen bedeutet dies, dass Frank mit dem Fahrrad irgendwo einen neuen Schlauch auftreiben muss. In Las Palmas konnte ich einen Hydraulik-Betrieb am Hafen ausfindig machen. Doch der liegt fast 30 Kilometer entfernt. Mit dem Fahrrad ist das so gar keine Option. Mal sehen, ob es im nächsten Dorf eine Möglichkeit gibt.


Während der letzten 2,5 Stunden hatten sich immer mehr dunkle Wolken vor die Sonne geschoben, was Frank gar nicht bemerkt hatte, schließlich arbeitete er auf der Schattenseite und im Radkasten. Meinen Hinweis, dass die dunklen Wolken näher kommen, schien er ignoriert zu haben.

Schnell packten wir alles zusammen (das benötigte Werkzeug kam in den Fußraum auf der Fahrerseite, es kann dort ja eh niemand sitzen, um zu fahren) und begannen das Abendessen zuzubereiten. Zu den bereits vorgestern gebratenen Hähnchen gab es Asia-Gemüse (Möhre, Frühlingszwiebel und Paprika) und Mie-Nudeln. Zum Schluss kam noch das Hähnchen zum Erhitzen mit in die Pfanne und fertig war unser Asia-Gericht.

Als ich nach dem Essen zum Abwasch nach draußen ging, fielen erste Regentropfen vom Himmel. Ein Blick auf die Uhr: Es war kurz nach 18 Uhr. Der Regen hielt tatsächlich pünktlich Einzug. Auf den spanischen Wetterdienst ist Verlass.

Schnell schlossen wir die Küchenseite und verzogen uns in die Doka. Die Tropfen wurden etwas stärker und auch der Wind nahm leicht zu. Doch zum Glück nahm das ganze noch keine extremen Formen an.

Frank konnte es während des Abendessens und auch danach nicht fassen, dass die Flüssigkeit aus dem Schlauch hinaus geschossen kam. Damit hatte er so gar nicht gerechnet. Und wie stellte er fest, auch auf dieser Reise haben wir wieder Kupplungsprobleme! Meine Begeisterung darüber hielt sich sehr in Grenzen. Ich atme erst wieder auf, wenn wir einen neuen Schlauch haben. Wobei ich stark bezweifle, dass es hier in der Nähe so etwas geben wird.

Eigentlich war mein Gedanke, dass wir am Übernachtungsplatz Franks Wunde reinigen, mit Betadine versorgen und sonst nicht viel machen, außer einmal um die Lagune laufen. Stattdessen wickelten wir für die Arbeiten unter Allmo wieder den Verband um den Arm (damit kein Dreck daran kommt) und kümmerten uns erst nach dem Abendessen um die Wundversorgung.

Ach ja, unser zweiter verlorengegangener Tankdeckel ist auch wieder aufgetaucht. Er lag auf dem Zusatztank. Frank hatte gestern bereits die Vermutung geäußert, ob durch die Verschränkungen der Tankdeckel womöglich ausgehebelt wurde. Und so muss es nun tatsächlich auch gewesen sein. Für diese Theorie spricht auch, dass die Tankklappe an den Scharnieren etwas verbogen war. Wenn der Tankdeckel auf einer der Holperpisten (und davon gab es an den letzten Tagen auf Fuerteventura so einige) durch die Verschränkung an der Metallkante von der Tankklappe hängen geblieben war, kann der bei den Kräften, die dort freigesetzt werden, einfach ausgehebelt werden. Auch die Spuren an dem Tankdeckel scheinen diese Theorie zu bestätigen. Es kommt also doch nichts weg. Außer beim ersten Mal.

Freitag, 1. Dezember 2023



In die Nacht ging es mit wenig bzw. gar keinem Regen. Erst gegen 6 Uhr wurde ich durch ein Donnergrummeln geweckt. Anscheinend hatte mich in der Nacht unser Kupplungsproblem nicht weiter belastet. Regen ließ nach dem Donnergrummeln auch nicht lange auf sich warten. Immer wieder erhellten Blitze die Umgebung.

Laut der Wettervorhersage sollte die Regenfront zwischen 10 und 11 Uhr abziehen, doch bereits gegen 8 Uhr war es trocken.

Gegen 8:30 Uhr schwang Frank sich auf’s Fahrrad, um in Teror bei einem der Taller sein Glück zu versuchen. Die Strecke war mit 4 – 5 Kilometern recht überschaubar. Wir vereinbarten, dass er für weitere Fahrten nach Las Palmas oder sonst wo hin mit dem Bus oder Taxi fahren muss. Schließlich möchte ich ihn an einem Stück und heile wieder zurück haben.

Vielleicht eine halbe Stunde später rief Frank an. Der erste Taller hatte geschlossen, der zweite war ein Reifenhändler (Neumaticos Cruz), der ihn an den Taller Bonifacio in Las Palmas verwies. Mit dem Bus 216 wäre es eine Stunde Fahrt laut dem Taller. So schnell könnte ich also nicht mit seiner Rückkehr rechnen. Alternativ würde er noch nach einem Taxi Ausschau halten. Mir war es egal, Hauptsache Allmo läuft am Ende des Tages.

Während der Zeit kramte ich ein wenig in Allmo herum, reinigte das Katzenklo, brachte den Müll weg, stellte Wein und Limoncello kalt, … Was man halt so macht.

Bereits ab 9 Uhr waren die grauen Wolken abgezogen und der Himmel strahlte in blau.

So lange Frank noch unterwegs war nutzte ich die Gelegenheit mir die Area Recreativa anzusehen. Diese befindet sich an der Lagune, um die eine Pferderennbahn führt. Der Bereich mit den Picknickbänken und -tischen ist sehr überschaubar. Ein Schild am Eingang weist daraufhin, dass die Picknickplätze nur nach vorheriger Anmeldung genutzt werden dürfen (hier wird sogar eine Gebühr erhoben. 1 Euro für Kanarier (oder stand da Spanier?) und 1,50 Euro für alle anderen.

Dienstags, mittwochs und donnerstags wird die Rennbahn genutzt. Galoppierende Pferde konnten wir gestern Abend tatsächlich hören.

Die Sonne gab inzwischen ihr Bestes und es wurde richtig warm. Nur gut, dass um die Lagune herum sehr viele Bäume und Sträucher stehen, so dass der Bereich angenehm schattig war. Die Lagune selbst ist ein Brackwasser-Teich mit Wasservögeln (vielleicht sah das Wasser auch nicht so schön aus, weil’s am Morgen geregnet hatte).



Während meines Spaziergangs schickte Frank ein Foto mit dem alten und einem neuen Schlauch. Er war also tatsächlich erfolgreich. Für 23,60 Euro das Stück kaufte er direkt zwei Schläuche. Schaden kann es definitiv nicht. So dachte ich mir das ja auch mit den abschließbaren Tankdeckeln. Und nun waren wir froh direkt Ersatz zu haben. Ich rief ihn direkt an, um an die Bremsflüssigkeit zu erinnern. Die hatte er bereits an einer Tankstelle gekauft (2x 500 ml zu je 3, 20 Euro – ein echtes Schnäppchen. Zu dem Preis hätte er den ganzen Vorrat aufkaufen sollen), denn der Taller (der eine Metallwerkstatt war und keine normale Autowerkstatt)  hatte diese nicht. Wie man sieht, kommt man auch mit Händen und Füßen und ohne ein Wort spanisch auf den Kanaren gut zu Recht.


Jetzt muss nur noch der Einbau klappen und dann ist wieder alles gut.

Der Tag aus Franks Sicht



Mit dem Fahrrad gings bergrunter nach Teror. Die erste Autowerkstatt hatte geschlossen, doch bei der zweiten begann ich dann eine Adresse, die scheinbar helfen konnten. Nur das sich diese Werkstatt in Las Palmas befand und damit ca. 20 Kilometer entfernt.

Auf seiner Visitenkarte vermerkte der Herr mit welchem Bus ich dorthin gelange und an welcher Station ich aussteigen muss.  Die Fahrzeit dauerte eine Stunde.

Beim Taller gab es nur eine kleine Bushaltestelle. Intuitiv fuhr ich den Berg weiter hinunter und gelangte zu einem verhältnismäßig großen (für die Größe des Dorfes) Busbahnhof. Dort suchte ich mir den richtigen Bus und wartete auf die Abfahrt, was noch fast eine Stunde hin war. Das Ticket für die Busfahrt konnte ich direkt beim Fahrer lösen. Die Fahrt kostete pro Strecke 2,30 Euro, ein Schnäppchen.

Nach ungefähr einer Stunde Fahrtzeit stieg ich aus dem Bus aus, lief ca. 5 Minuten zum Taller Bonifacio und zeigte dort den defekten Schlauch und fragte nach, ob ich das in neu bekommen könnte. Der Herr ging weg und kam ungefähr 10 Minuten später mit dem neugefertigten Schlauch zurück. Als er mir den Preis von 23,60 Euro nannte, bat ich ihn darum direkt einen zweiten Schlauch anzufertigen. Was er dann auch tat.



Bremsflüssigkeit konnte er mir keine verkaufen, weil es eine Metallwerkstatt ist. Diese bekam ich dann an einer Tankstelle.

Mit dem Bus 229 (der fuhr auch nach Teror) ging’s dann wieder zurück. Vom Bus aus hatte ich einer super Sicht auf das Tal und die lange Brücke. Am Busbahnhof in Teror stieg ich aus und radelte zurück zu Allmo.

Ende.

Einbau des neuen Kupplungsschlauchs



Nach ca. 4,5 Stunden war Frank wieder zurück. Genau die richtige Zeit für’s Mittagessen. Inzwischen war es überwiegend bewölkt. Dunkle Wolken hatten sich vor die Sonne geschoben. Vorhin kam ich noch ins Schwitzen und jetzt hatte ich Gänsehaut. Trotzdem aßen wir draußen.

Gut gestärkt ging’s ans Werk. Frank pumpte die Doka wieder etwas hoch, um besser im Radkasten stehen zu können. Das Werkzeug lag in greifbarer Nähe vor dem Fahrersitz und war schnell zur Hand.

Recht zügig waren der neue Schlauch und der neue Kupplungsnehmerzylinder eingebaut, wobei der alte Zylinder es vermutlich auch getan hätte, aber wo der neue nun schonmal ausgepackt war, beließen wir es dabei.

Etwas Bremsflüssigkeit mussten wir noch nachkippen, dann ein wenig pumpen (damit die Luft aus der Leitung verschwindet) und schon war alles fertig zusammengebaut. Eigentlich wollte Frank Allmo noch abschmieren, doch die Handpumpe mit dem Schmiermittel wollte nicht so recht pumpen. Daher mussten wir das vertagen.

Bevor wir alle Werkzeuge wieder verstauten unternahm Frank eine kurze Probefahrt auf der Fläche, auf der wir standen. Das Kuppeln funktionierte wieder einwandfrei und nach ungefähr 24 Stunden waren wir wieder fahrbereit. Puh! Das ging also nochmal alles gut.

Theoretisch hätten wir heute noch weiterfahren können, doch praktisch stand uns danach nicht der Sinn. Wir waren glücklich, wieder mobil zu sein und werden morgen unsere Reise fortsetzten.

Zu unserer Abendessen-Koch-Zeit fing es natürlich an zu regnen. In einer kleinen Pause trotzte Frank dem Wetter und stellte sich nach draußen. Die Minutensteaks waren schnell gebraten, nur die Pommes benötigten etwas länger.

Innen hatte ich die Heizung eingeschaltet, damit es etwas gemütlicher ist und Haut und Kleidung etwas Wärme abbekommen.

Reinstes Aprilwetter herrschte heute. Von Gewitter, über Regen und schönstem Sonnenschein, war alles dabei.

Samstag, 2. Dezember 2023


Der Tag startete, wie der gestrige endete: mit Regen. Unsere Begeisterung darüber hielt sich sehr in Grenzen.

Gestern Abend hatte es an einer von Franks Nähten etwas geblutet, so dass wir entschieden, heute nicht zum Arzt zum Fäden ziehen zu fahren. Wenn es dann wieder heißt, lieber noch zwei Tage warten, dann verlegen wir das ganze doch gleich auf die nächste Woche.

Doch das Wetter machte es uns auch nicht leicht. Ich hatte überlegt, eine Runde durch die Inselmitte zu drehen. Doch ob das so sinnvoll ist? In den Bergen bleiben die Wolken ja noch eher hängen als im Flachen. Das Wetter war jedoch in den nächsten Tagen überall nur semi gut gemeldet. Also fuhren wir dann doch in die Berge.

Wir hofften, dass der Regen sich bald verziehen wird, so wie gestern.

Tbc

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