Don Quijote und Sancho Panza



Ganz unbewusst waren wir gestern schonen ein Stück der „Ruta del Quijote“ gefahren. Und setzten diesen Weg nicht ganz zufällig fort. Unser Ziel waren die Windmühlen von Campo de Criptana.

Natürlich kamen wir auch heute an unzähligen Feldern mit vertrockneten Sonnenblumen vorbei und erblickten irgendwann eine Art Mähdrescher, der die Sonnenblumen von den Feldern mähte. Somit bestätigte sich unsere gestrige Recherche, dass die Sonnenblumen der Produktion von Öl dienen.

Felder mit Weinstöcken und Olivenbäume dominierten im weiteren Tagesverlauf das Landschaftsbild. Mehr und mehr Trecker mit Anhänger befanden sich auf den Straßen. Nicht nur die Sonnenblumen wurden jetzt geerntet, sondern auch die Trauben für Vino Blanco. Wir entdeckten aber auch am Wegesrand Menschen bei der Ernte von Zwiebeln und Kürbissen. In der Mitte Spaniens war die Ernte voll im Gange.



Molinos de Belmonte



Auf dem Weg nach Campo de Criptana hielten wir spontan bei den Windmühlen Molinos de Belmonte an. Dies waren die ersten halbwegs hergerichteten Molinos, an denen wir heute vorbeifuhren (zuvor erblickten wir nur ein paar Ruinen). Von der Hauptstraße war es nur ein kurzer Abstecher bis rauf auf den Hügel.

Die Straße, die zu den drei Windmühlen führte, war frisch geteert. Die letzte der Mühlen strahlte im vollen Glanz. Die mittlere der Mühlen hatte nur zwei Flügel und die erste war flügellos (die Holzflügel lagen daneben). Die Colegiata und das Castillo versteckten sich im Gegenlicht. Von Belmonte setzten wir unseren Weg fort.



Zunächst stoppten wir in Campo de Criptana um Allmos Durst zu stillen.  Für 1,499 Euro/Liter tankten wir bei einer Tankstelle, die zu einem Unternehmen gehört (Frank meinte es wäre eine Raffinerie) . Eine Tankstelle an der Hauptstraße nahm für den Liter direkt schlappe 22 Cent mehr, die andere nur 7 Cent mehr. Wer tankt den dort, wenn er es ein paar hundert Meter weiter so günstig haben kann? „Volltanken“ war dann so ein Ding für sich. Bei dieser Tankstelle war das auf 99 Euro gedeckelt. Was bisher die niedrigste Summe war. In Frankreich lag der Betrag auch schonmal bei 200 Euro.

Zu den Arbeitszeiten gibt es einen Tankwart, der nur Spanisch sprach. Nachdem die ersten Wirrungen geklärt waren (Frank wollte Gasolino tanken, was aber Benzin bedeutet und dort gar nicht verfügbar war), konnten wir Gasoleo A tanken (= Diesel). Mit meinen wenigen Spanischkenntnissen kamen wir bestens klar. Einen zweiten Bezahltvorgang starteten wir nicht und gaben uns damit zufrieden, dass der Zusatztank nicht vollgetankt war.

Molinos de viento de Campo de Criptana



Da ich gelesen hatte, dass die Straßen in der Stadt eng und hügelig sein sollen, folgten wir nicht den Schildern zu den Molinos, sondern fuhren von außen dorthin. Zehn Windmühlen erstrahlen im hellen Weiß. Die Ruine einer Windmühle lag etwas abseits und fand wenig Beachtung.

Wir sahen uns die Molinos aus der Nähe an und vermissten den frischen Wind, der uns vorhin noch bei den anderen Windmühlen um die Nasen wehte. Stattdessen war es inzwischen wieder knalle heiß. Sechsundzwanzig Grad zeigte später ein Thermometer im Dorf.


Von der Uhrzeit her war es Zeit fürs Mittagsessen, wobei wir uns hinter Allmos Heck in den Schatten verkrochen. Das Wetter ist einfach nur unheimlich.

Mittlerweile ist es sogar so, dass wir beim Einparken gar nicht mehr darauf achten mit den Modulen zur Sonne ausgerichtet zu stehen, sondern uns ein schattiges Plätzchen suchen. Idealerweise zeigt dann die Öffnung unseres Dachzelts in die schöne Natur, was bedeuten kann, dass die Module voll im Schatten liegen. Bei den Strecken, die wir fahren, ist das aber auch egal. In die Batterien kommt immer genug Energie rein.

Die vier Windmühlen von Alcazar de San Juan, die wir bereits von Campo de Criptana aus auf dem Hügel sehen konnten, betrachteten wir nur in der Vorbeifahrt. Wobei dort bestimmt weniger Menschen gewesen wären als in Camp de Criptana.

Dort lockt neben den Windmühlen auch noch eine historische Altstadt die Touristen an.

Wiedereinmal warf ich unsere Tagespläne über den Haufen. Eigentlich sollte es noch nach Venta de Cardenes gehen, dort soll es eine interessante Wanderung geben. In Anbetracht der Stecke, die noch zu fahren wäre, der schon wieder vorangeschrittenen Uhrzeit und des viel zu warmen Wetters, fuhren wir stattdessen einen Stausee an. Bei dem Wetter hat Wasser eine magische Anziehungskraft auf uns.

Aldea medieval de Villacentenos



Ohne einen spontanen Zwischenstopp kamen wir natürlich nicht aus. Ich hatte entlang des Weges einen Lost Place entdeckt. Ja, unser erste Lost Place auf dieser Reise. Es handelte sich, dem Namen nach, um ein mittelalterliches Dorf „Aldea medieval“ Villacentenos. Bereits von der Landstraße aus waren die verlassenen Gebäude bzw. Gebäudereste zu sehen. Wir parkten Allmo auf dem Hof zwischen den Gebäuden. Die Gebäude gehören zu dem „Camino Natural del Guadiana“, wie uns ein Schild verriet.



Wir durchstöberten die Gebäude, soweit es möglich war. Einige Gebäudeteile waren teilweise eingestürzt. Wir erblickten meterhohe Gefäße (Wasserspeicher?), teils im Gebäude, teils draußen. Kamine sorgten damals für Wärme und Feuerstellen zum Kochen gab es auch. Sogar ein richtiges WC befand sich noch in einem der Häuser. Bewohnt sind die Gebäude immer noch, allerdings von Tauben. Die Böden waren teilweise richtig vollgekackt und es roch nach Federvieh. Aufgrund der brütenden Hitze hatten wir unsere Fenster offengelassen und viele neue Fliegen bewohnten unsere Doka. Dabei waren wir die vom Canon Rojo in Teruel noch nicht alle losgeworden. Wir waren begeistert. Während der Weiterfahrt versuchte ich nach und nach die Viecher aus dem Fenster rauszuwedeln, was nur teilweise gelang.



Embalse de Mari Sanchez



Ein Stück fuhren wir diesmal sogar über die Autobahn und kamen sehr gut voran. Am Stausee Embalse de Mari Sanchez angekommen mussten wir leider feststellen, dass das Wasser sehr weit weg war. Bis zum nächsten Stausee wären es aber noch ungefähr 100 Kilometer Fahrt, was für heute nicht mehr in Frage kam.

Also parkten wir Allmo auf dem sehr schiefen Untergrund und legten unter dem linken Hinterreifen vier unserer Holzbretter und standen immer noch nicht ganz grade. Heute Nacht werden wir wohl mit dem Kopf am Fußende schlafen müssen. Aber immerhin standen wir im Schatten. Später wanderte die Sonne natürlich weiter, so dass sie von vorne in die Doka hereinschien (zu der Zeit war es bereits nach 18 Uhr und irgendwann geht die Sonne dann ja auch unter).

Unsere Körper schrien nach Wasser, also stapften wir mit den Badesachen direkt runter an den See, um dann festzustellen, dass das Wasser total brackig war. Frank stiefelte hinein und versank bis zu den Waden im Schlamm. Irgendwann kam der Ausruf „jetzt ist fester Boden“, was mich dazu veranlasste auch in den Schlamm hineinzuspazieren, was ich aber total ekelig finde. Seine nächsten Worte „ich stehe bis zu den Knien im Schlamm“ fand ich dann weniger witzig und stapfte wieder ans Ufer zurück. Jede Fangopackung konnte einpacken.



Wir flüchteten zu Allmo und gönnten uns erstmal eine (nicht erfrischende) Dusche. Das Wasser war warm temperiert, was fürs Zähneputzen und Spülen ja auch toll ist. Jetzt zum Duschen hätte es gerne etwas frischer sein können, aber es ist wie es ist. Es war herrlich unter der Dusche zu stehen. Die Fangopackung ging nur mit Mühen aus den Poren meiner Füße wieder heraus. Künftig werde ich Schlammbäder auf jeden Fall meiden.

Später bereiteten wir unser Abendessen zu und wurden von einer Großfamilie Wespen belästigt. Auch nachdem alles aufgegessen, der Abwasch erledigt und alles verstaut war, gaben sie ihre Hoffnung nicht auf. Wer die Berichte von der letzten Reise aufmerksam gelesen hat, der weiß, dass ich unterwegs zweimal gestochen wurde und allergisch darauf reagiere. Entsprechend angespannt verbrachte ich die Zeit draußen. Aber für im Fahrzeug zu sitzen war es draußen im Schatten einfach viel zu schön. Und nach innen verkriechen werden wir uns gezwungener Maßen, wenn die Mücken auftauchen.

Dachten wir bis um kurz vor 20 Uhr noch, dass wir den Platz allein für uns haben, wurden wir eines Besseren belehrt. Direkt hintereinander kamen ein spanischer Van und ein französischer Micro-Camper angefahren. So ist es halt bei den Park4Night-Plätzen.

Als die Sonne untergegangen war verfärbte sich der Himmel zunächst leicht rosa und nahm dann ein immer intensiver werdendes orange an. Aus unserer Doka konnten wir das Schauspiel perfekt beobachten.

Donnerstag, 28. September 2023



Der Vollmond schien Emma auf’s Gemüt zu schlagen oder liegt es an der Hitze? Auf jeden Fall ist unsere alten Katzendame mit ihrem Futter hochgradig unzufrieden. So kurz vor der Reise ihr noch neues Futter (Nierendiät) zum Testen zu geben, war wohl keine so schlaue Idee. Jetzt will sie das alte Futter auch kaum Fressen. Wir sind machtlos und Emma hockt hungrig vor vollen Näpfen.

Irgendwann war die Nacht endlich vorbei. Nachdem wir in der Sonne neben Allmo gefrühstückt hatten, starteten wir in den Tag. Viel stand heute nicht auf dem Programm.

Tbc

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